PT04 Publikum                                                                                          10/2019

Bergfilm Tegernsee, 17. Internationales Festival vom 16. – 20. Oktober 2019 

„Die Latinos vom Tegernsee“ 

Bergfilm begeistert die Menschen über alle Altersgrenzen hinweg. Der Funke springt über, Filme reißen mit, setzen etwas in Bewegung. Für Filmemacher und Filmemacherin ist es wohl der schönste Lohn, hier in Tegernsee hautnah mitzuerleben, wie ihre Bilder wirken.

Sie leiden. Nicht nur die knuffeligen Comic-Bienen, die zuerst noch munter über die Leinwand brummen. Gekreische, als sie sich eine nach der anderen ihres Mageninhalts entledigen, weil sie zu viele Pestizide gefressen haben. Tief betroffenes Schweigen, als die letzte überlebende Biene aus den Bergen zurückkehren will zu ihrem Bienenhaus… Kaum Applaus am Schluss, obwohl es der Comic-Clip von Marcel Barelli verdient hätte. Aber wer kann fröhlich in die Hände klatschen, wenn soeben die letzte Biene gestorben ist? Die Tegernseer Kinder können es zum Glück nicht. Sie können sich erst wieder richtig freuen, als Moderator Florian Schwarz Tierreporterin Anna höchst persönlich auf die Bühne holt, die gerade noch mit den Alpakas in den Anden unterwegs war. Unzählige Finger schießen in die Höhe, so viele Fragen haben die Kinder. Geredet wird erst, wenn man an der Reihe ist. Mit den Menschen sprechen, die eigentlich immer nur unantastbar auf der Bildfläche auftauchen, das ist neu – und großartig.

Und das nicht nur im Kinderkino mit insgesamt 720 begeisterten jungen Gästen. Ganz so lautstark gefiebert, gejubelt und gelitten wird zwar bei den Erwachsenen nicht, doch das Publikum in den Kinosälen ist voll dabei. Sehr zur Überraschung mancher Protagonisten. „Das ist unglaublich, wie die Leute hier mitgehen“, freut sich zum Beispiel Caroline Fink, eine Filmemacherin aus der Schweiz, beim Bayern-2-Abend. „Das war sicherlich das emotionalste Publikum, das ich bis jetzt bei meinem Film ‚Frauen am Berg‘ erlebt habe.“ Für Georg Bayerle, den Moderator im Ludwig-Thoma-Saal, ist das nichts besonderes, er kennt seine „Latinos vom Tegernsee“ ja schon seit es das Festival gibt. „Die sind hier so“, sagt er. 

Das Tegernseer Publikum freut sich, mitreden zu dürfen. Sie wollen nicht nur fantastische Bilder und ungewohnte Sichtweisen präsentiert bekommen, sondern auch hautnah Kontakt haben mit den „Menschen vom Film“. Zum Beispiel mit Puria Ravahi, einem Rosenheimer Filmemacher (DAV-Preis für den besten Alpinfilm 2017), der seinen neuen Film erstmals in Tegernsee präsentiert, und auch gleich noch die Hauptdarstellerin mitgebracht hat. Er findet es richtig, dass auch nach seinem Film erstmal betroffene Stille herrscht. „Genau so wollte ich das“, sagt er. „Wenn jeder gejubelt hätte, hätte ich etwas falsch gemacht.“ So ist die Botschaft angekommen. Im Kinderkino, ebenso wie beim B2-Abend. Denn „es sind Filme, die mit Leidenschaft zu tun haben. Wir stoßen auf Ungeahntes, auf bewegende Dinge“ formuliert es Stefan Maier, Chef von Bayern zwei. Oder wie hieß es bei den Bienen im Kinderkino? „Wenn ich etwas erzähl, kommt es von Herzen“ – und dann kommt es auch an. Nicht nur bei den „Latinos vom Tegernsee“.