PT03 Eröffnung                                                                                         10/2019

Bergfilm Tegernsee, 17. Internationales Festival vom 16. – 20. Oktober 2019

„Tut es endlich – es betrifft uns alle“ 

Bergfilme vom Feinsten, über alle Sparten hinweg: Das war der Eröffnungsabend des 17. Bergfilm-Festivals in Tegernsee. Festival-Direktor Michael Pause und sein Team begeisterten das Publikum mit der richtigen Mischung und mit starken Botschaften.   

Der Applaus ist frenetisch, als Toni Sponar mit seinen 85 Jahren auf die Bühne klettert. Und es geht schon unter die Haut, als er gleich zu Beginn einen eindringlichen Appell an alle im Saal richtet. „Macht euch bewusst, was da gerade mit der Erde geschieht – und handelt entsprechend.“ Er selbst hat es geschafft, in 50 Jahren keinen einzigen Winter zu verpassen. Weder auf der Süd- noch auf der Nordhalbkugel. „Endless Winter“, den Film, der die spannende Geschichte seines Lebens erzählt, hat auch er am Mittwoch bei der Weltpremiere zum ersten Mal gesehen. Und eigentlich kann er es gar nicht richtig glauben, dass er der Held dort oben auf der Leinwand im ausverkauften Barocksaal ist und ihm der Applaus gilt.

Auch die Tirolerin Babsi Zangerl, eine der weltbesten Kletterinnen, begeistert nicht nur im Film, sondern auch auf der Bühne. Man glaubt ihr, dass sie keinen Wert auf Schlagzeilen legt. Viel wichtiger ist für sie, dass sie mit ihrem Seil- und Lebenspartner Jacobo Larcher in der Welt der steilen Wände unterwegs sein kann – mit jemandem, auf den sie sich in jeder Situation zu hundert Prozent verlassen kann. Denn der Wert einer solchen Partnerschaft und die Freiheit, einfach aufbrechen zu können, sei durch nichts zu ersetzen. Am allerwenigsten durch lukrative Sponsorenverträge.

Eiskalt erwischt das Publikum dann Olaf Obsommers neuestes Wildwasser-Abenteuer. Im Winter sind sie in Island unterwegs, umgeben von Eiszapfen stürzen sie sich mit ihren Kajaks die tosenden Wasserfälle hinunter, landen hart auf Eisschollen und können in blaugefrorenen Fingern kaum mehr die Paddel halten. Doch wie kleine Kinder freuen sie sich, für einen Moment Teil dieser faszinierenden Landschaft sein zu dürfen. Wie heiß ihre Leidenschaft für Wildwasser ist, merkt man nicht nur im Film, sondern auch im Gespräch mit Festival-Direktor Michael Pause.

Ob einer der drei Beiträge zur Eröffnung im Barocksaal wohl einen Preis erhalten wird? Darüber zerbricht sich derzeit die international besetzte Jury den Kopf. Gesichtet haben sie bereits alle Filme, doch die Entscheidung fällt schwer, will genau abgewogen werden. “Viele Filme, wenig Preise“, ist im Moment der Tenor. Das Niveau sei sehr hoch, was aber auch bedeute, dass eigentlich kaum ein Film ganz besonders herausragt, ist aus dem Juryraum zu hören. Da gilt es, genau hinzuschauen, die Feinheiten aufzuspüren. Und dann werden manche Produktionen immer besser, immer wertvoller.

Besonders positiv ist der Jury aufgefallen, dass viele junge Filmer und Filmerinnen das „Schneller-höher-weiter-Zeitalter“ endgültig überwunden haben und mit ganz neuen Ideen an das Thema Berg herangehen. Die eigene Leistung der Protagonisten wird nicht mehr in den Vordergrund gestellt, sondern auf mehreren Ebenen hinterfragt. So entstehen spannende Psychogramme, ergeben sich überraschende Wendungen. Und in kaum einem Film wird der Berg noch als „Sportgerät“ wahrgenommen, sondern als hoch sensibler, schützenswerter Naturraum. „Jeder kann etwas tun, aber tut es endlich. Es betrifft die Zukunft von uns allen.“ Und das sagt eindringlich ein 85 Jahre alter Mann, dem es gelungen ist, ein Leben lang seinen Traum zu leben.