PT 04_Pressetext_Polen                                                                10/2019

Im Fokus: Polens großartige Alpinisten 

Im Winter auf die höchsten Berge der Welt zu steigen, ist in Polen fast so etwas wie ein Nationalsport. Auf zehn der bisher 13 im Winter bestiegenen Achttausender standen polnische Bergsteiger, die in ihrer Heimat wie Superstars gefeiert werden. In Tegernsee stehen sie am Samstag im Schalthaus im Mittelpunkt. 

In den 1980er Jahren waren es vor allem Jerzy Kukuczka und Wanda Rutkiewicz, die mit ihren alpinistischen Leistungen weltweit für Aufsehen sorgten. Adam Bielecki ist einer der verwegenen Polen, die diese Tradition fortführen. Geschichte schrieb Bielecki nicht nur aufgrund seiner Gipfelerfolge, sondern vor allem durch eine beispiellose Rettungsaktion: Bielecki befand sich 2018 gerade im Basislager des K2 und bereitete sich auf die erste Winterbegehung des anspruchsvollsten aller Achttausender vor, als er hörte, dass am Nanga Parbat eine Tragödie ihren Lauf nahm: Die französische Bergsteigerin Elisabeth Revol und der Pole Tomek Maciewicz waren dort in Bergnot geraten. „Es war klar, dass wir ihre einzige Chance sind“, schilderte Bielecki später. Sofort machte er sich gemeinsam mit dem Kasachen Denis Urubko auf den Weg, um seine Freunde am Nanga Parbat zu retten. Elisabeth Revol konnten sie lebend ins Basislager bringen, für Maciewicz kam jede Hilfe zu spät. Dariusz Zaluski, 2012 Juror in Tegernsee, begleitete die Expedition als Kameramann. Die packende Dokumentation dieser K2-Expedition ist auch ein faszinierendes Beispiel für gruppendynamische Prozesse solcher Unternehmungen. Zu sehen am Samstag, 15.10 Uhr, im Schalthaus.

Gleich im Anschluss steht im Rahmen einer Buchpräsentation einer der größten polnischen Bergsteiger im Fokus: Voytek Kurtyka. Geboren 1947, gilt er als der unbestrittene Meister der Hohen Tatra, des Hindukusch und der großen Wände in den Alpen und in Skandinavien. Wie kein zweiter prägte Kurtyka aber auch Polens  „Goldenes Zeitalter“ der Himalaya-Besteigungen. Bernadette McDonald – viele Jahre Direktorin des Bergfilm-Festivals von Banff – schrieb nun Voytek Kurtykas Biografie: In „Die Kunst der Freiheit – Voytek Kurtyka, Leben und Berge“ sind Elemente aus Sport, Kunst und Mystizismus in einzigartiger Weise miteinander verwoben. Bernadette McDonald ist es gelungen, sich diesem rätselhaften und exzentrischen alpinen Genie anzunähern und hat damit ein neues, bewegendes Meisterwerk der Alpinliteratur geschaffen. Bei der Buchpräsentation um 16.30 Uhr im Schalthaus schildert Robert Steiner, der das Buch ins Deutsche übersetzt hat, wie er diesen einzigartigen, so freiheitsliebenden Bergsteiger selbst kennengelernt hat.

Zum Abschluss des Polen-Schwerpunkts gewährt um 17 Uhr Stanislaw Berbeka, der Sohn von Maciej Berbeka, in seiner Dokumentation „Dreamland“ Einblicke in ein bewegtes Familienleben, das geprägt ist von den großen Bergsteigerträumen des Vaters. 2013 will sich Maciej Berbeka im Alter von 57 Jahren erneut einen großen Traum erfüllen und es als Erster im Winter auf den Broad Peak schaffen. Der erste Teil des Abenteuers gelingt, zu viert stehen sie auf dem Gipfel. Doch der älteste und der jüngste Teilnehmer der schicksalhaften Expedition werden nie wieder zurückkehren.