PT_04_Juryarbeit                                                                     20/10/2018

Bergfilm Tegernsee, 16. Internationales Festival vom 17. – 21. Oktober 2018

 Ein-Blick hinter den Vorhang

Der strahlende Sonnenschein, der glitzernde See und die verlockenden Gipfel der zauberhaften Tegernseer Bergwelt verschwinden hinter dicken Rollos, es wird dunkel. Die Jury tagt, vier Tage lang. Inzwischen sind die Preise vergeben, die Arbeit ist getan. Zeit für die Mitglieder der Jury, ein Resumee zu ziehen.

„Es war toll, endlich einmal wieder richtig einzutauchen in die Welt der Filme, von nichts abgelenkt, bis die Augen quadratisch sind“, schwärmt Christine Kopp, als sich der Vorhang endlich wieder hebt. Die Schweizer Autorin und Redakteurin war schon vor 15 Jahren in der Tegernseer Jury. „Einerseits ist vieles gleich geblieben“, sagt sie. Dieselben Muster, Stärken, Schwächen. Aber auf der anderen Seite konnte sie viel Neues, Kreatives entdecken. „Und Drohnen, Drohnen, Drohnen. Das ist ein Hype im Moment, aber ich bin überzeugt, in ein paar Jahren wird sich das wieder ändern.“  

Ein Privileg
Auch Carla Braun-Elwert, die in Tegernsee schon mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, hat die Arbeit als Jurorin genossen: „Es ist schon ein Privileg, hier in der Jury zu sein und von der tiefen analytischen Arbeit auch selbst profitieren zu können.“ Denn was ist wirklich wichtig, was macht einen herausragenden Bergfilm aus? „Dazu gehört ja auch, infrage zu stellen, was ich selbst bei meiner Arbeit als Filmerin mache. Das nehme ich mit auf den Weg, und hoffentlich werden meine Filme dadurch noch besser.“

Auch Kamerafrau Susan Gluth schätzt die großartige Möglichkeit, eigene Überzeugungen, Vorurteile und Wertvorstellungen abzuchecken. „Der Austausch mit dem Publikum in dem kleinen Ort, diese ganzen Begegnungen – das ist so selten möglich und sehr spannend!“

Diskussion auf Augenhöhe
Wie die Entscheidungen zustande kamen, verrät Sebastian Marseiler, Dokumentarfilmer aus Südtirol: „Das waren Diskussionen auf Augenhöhe, bei denen immer wieder neue Perspektiven beleuchtet wurden. Nichts mit Taktieren und Abstimmen, es ging wirklich darum, einander zuzuhören und einen Konsens zu finden.“

Die kreative Auseinandersetzung liebt auch der Initiator des Salzburger Bergfilm-Festivals, Michael Bilic: „So sehe ich, ob meine Meinung wirklich hält. Bin ich auf der richtigen Fährte oder hab ich mich nur vorführen lassen?“ In Tegernsee hat ihn besonders beeindruckt, „dass die ganze Stadt Bergfilm-Festival ist.“

Raum für Mutige
Begeistert ist die Jury von der Bandbreite der Filme in Tegernsee: „In Salzburg wählen wir die besten aus und zeigen das, was das Publikum sehen will“, schildert Bilic. Hier in Tegernsee sorgt hingegen der Wettbewerb – übrigens die deutschlandweit einzige Bergfilm-Prämierung – nicht nur für Spannung, sondern auch für Abwechslung: „Hier ist Raum für mutige Filme, für außergewöhnliche Macharten und ganz andere Herangehensweisen.“

Nicht zuletzt gilt dies für junge Filmemacherinnen und Filmemacher, auch wenn sie noch nicht den letzten Schliff haben: Der Otto-Guggenbichler-Preis für den besten Nachwuchsfilm, den in diesem Jahr Alexej Funke erhielt,  soll ja nicht nur auszeichnen, sondern auch ermutigen, auf das aufzubauen, was ist.  „Traut euch ihr Jungen, frisch von der Seele mitzumachen“, appelliert Sebastian Marseiler und ergänzt schmunzelnd: „denn was gibt es Amüsanteres, als so einen richtig schönen, genialen Blödsinn!“