PT_01_Allgemein                                                                     20/10/2018

Bergfilm Tegernsee, 16. Internationales Festival vom 17. – 21. Oktober 2018

 Geier, Rockstars und die Kostbarkeit der Berge

 Adler und Bärtierchen, einfache Bergbauern und die großen Rockstars der Kletterwelt: Sie sind die Gewinner des Bergfilm-Festivals 2018. Ebenso wie die rund 6000 begeisterten Zuschauerinnen und Zuschauer, die an fünf Tagen die Kostbarkeit der Bergwelt in über 80 Filmen neu entdecken konnten: Berge als Lebensraum, Naturraum oder als Spielplatz großer Abenteuer.

 Ihre Protagonisten sind die Herrscher der Lüfte und sie selbst sind die großen Meister ihres Metiers. „Ein imposanter Film, ein Meisterwerk“, so urteilten Fachjury und Zuschauer über die neueste Dokumentation von Anne und Erik Lapied. 70 Minuten Natur im Einklang mit sich selbst. Grausam, liebevoll, einzigartig und immer wunderschön. Ein Adlerjunges wirft sein Geschwisterchen brutal aus dem Nest. Später, im Winter, schaffen es die Adler kaum, ein einziges Küken zu ernähren. Die Lapieds kennen ihre Tiere genauestens, nicht nur die Geier und Adler, die hier die Hauptrolle spielen. Sie sind eins mit der Umgebung, wissen exakt, wann ein Sonnenstrahl den Schneestaub zum Glitzern bringt. Sie beschönigen nichts und urteilen nie. Das macht ihre Botschaft – und damit ihre Filme – so stark, dass sie schon zum zweiten Mal mit dem Großen Preis der Stadt Tegernsee ausgezeichnet wurden.

Zwischen Hingabe und Besessenheit
Wo hört Leidenschaft auf, wo fängt Besessenheit an? Es sind packende Szenen, die sich in der Dawn Wall im Yosemite abspielen. Sie gehen unter die Haut, denn im Fokus steht nicht nur die enorme sportliche Leistung der beiden „Rockstars“ Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson, sondern auch ihre menschliche Seite: Dramen, die ihre Lebenswege prägten, und vielleicht Antworten geben auf das „warum?“. Sie verleihen dem Film Tiefe und Bedeutung. „Der Sinn des Filmemachens ist es ja, wichtige Fragen zu stellen und Einblicke zu geben. Aber auch Stellung zu beziehen und Antworten zumindest anzudeuten“, ist Jurorin Carla Braun-Elwert überzeugt. Für seinen großen, dramatischen Kletterfilm „Durch die Wand – The Dawn Wall“ darf der amerikanische Filmemacher Peter Mortimer deshalb in diesem Jahr den DAV-Preis für den besten Alpinfilm mit nach Hause nehmen.

Nah und unbekannt
Filmstars waren Bärtierchen und Wasserspitzmaus wohl noch nie, die meisten würden sie nicht einmal zur Kenntnis nehmen. Liebevoll und unprätentiös lenkt Regisseur Uwe Müller im Erzgebirge den Blick auf die Kleinen, ohne sie zu Hollywoodstars aufzublähen. Er brachte erstaunliche Bilder mit an den Tegernsee, die auf leise Art den Blick schärfen für die großen Wunder im Kleinen. Ausgezeichnet wurde er dafür mit dem von Hauptsponsor „Bergzeit“ zur Verfügung gestellten Preis für den besten Naturfilm.

Altes Wissen und die Zukunft
Für die Bergbauernfamilie im Schweizer Kanton Uri ist die Natur Lebensraum. Respektvoll nutzen sie die steilen Wiesen, ohne dadurch das sensible Gleichgewicht aus dem Takt zu bringen. Eine Lebensart, die hier in Mitteleuropa heute selten geworden ist und die Regisseur Beat Bieri in einer berührenden Geschichte erzählt. „Die Wildheuer“ ist eine Dokumentation, die Hoffnung vermittelt, dass zukünftige Generationen das alte Wissen weitertragen – und dafür von der Jury mit dem Preis der Kategorie Lebensraum Berg ausgezeichnet wurde.

Die ganz großen Momente
„Es war wieder ein großartiges Festival mit vielen begeisternden Filmen und  interessanten Gästen“, resümierte Festival-Direktor Michael Pause nach der Preisverleihung. „Mich freut es immer ganz besonders, wenn so viele Preisträger zum Teil von weit her anreisen, um ihre Auszeichnungen persönlich in Empfang zu nehmen und hier vor großem Publikum selbst schildern zu können, was sie bewegt.“  Denn das sind sie dann, die ganz großen unvergesslichen Momente, die auch dem Organisationsteam rund um Bürgermeister Johannes Hagn Mut machen, wieder neue Pläne zu schmieden für das nächste Festival im Oktober 2019.