PT_03_Festival-Splitter                                          10/2018

Bergfilm Tegernsee, 16. Internationales Festival vom 17. – 21. Oktober 2018

Kritische Töne und eine spannende Diskussion

Nicht zuletzt Johannes Hagn (Bürgermeister der Stadt Tegernsee) legt besonderen Wert darauf, dass in Tegernsee auch kritische Töne zu spannenden Themen im Fokus stehen: „Bergfilm Tegernsee, das ist Spannung, das ist Vielfalt – und das muss auch Stoff zum Nachdenken sein“, so der Bürgermeister. Das kommt natürlich in vielen Filmen – oft auf ganz leisen Sohlen – zum Ausdruck: Wen könnte es kalt lassen, wenn ein kleines Mädchen, das noch nie etwas vom Klimawandel gehört hat, im Altai-Gebirge plötzlich mit den tiefgreifenden Auswirkungen dieser sich anbahnenden Katastrophe konfrontiert wird?

Ein anderer wichtiger Punkt sind die hochkarätig besetzten Kamingespräche im Stieler-Haus (siehe auch Interview mit Dr. Georg Bayerle). Im Mittelpunkt des vierten Kamingesprächs steht ein für Tegernsee derzeit brandaktuelles Thema: Massentourismus oder Bergsteigerdorf – so lautet der brisante Titel, unter dem
Dr. Georg Bayerle vom Bayerischen Rundfunk mit dem Kreuther Bürgermeister
Josef Bierschneider und dem Osttiroler Christof Schett, der im Villgratental in einem Vorzeige-Bergsteigerdorf aufgewachsen ist und sanften Tourismus fördert, diskutieren werden. Und wie immer können sich natürlich auch die Gäste im Stieler-Haus rege am Gespräch beteiligen. Denn schließlich prallen hier am Tegernsee – genauer gesagt in Kreuth – diese beiden Welten direkt aufeinander. So sind 13 der 17 Ortsteile Kreuths vom Alpenverein in den erlesenen  Kreis der Bergsteigerdörfer aufgenommen worden. Die vier direkt am See liegenden Ortsteile wurden jedoch explizit ausgeschlossen. Schließlich sollen die Bergsteigerdörfer ja genau zeigen, dass es auch ohne touristische Großstrukturen mit riesigen Hotels und Liftanlagen geht. Doch wem wird in den Alpen die Zukunft gehören?

Termin: Freitag, 19. Oktober, um 16.30 Uhr im Stieler-Haus

 

Heinz Zak, Adam Ondra und die Kunst des Kletterns
Das Klettern und die Fotografie haben das Leben von Heinz Zak geprägt. Beides beherrscht er perfekt. Davon konnte sich das Tegernseer Publikum schon mehrfach überzeugen. Am Donnerstag, 20 Uhr, ist der Tiroler Extremkletterer und Bergfotograf wieder beim Bergfilm-Festival in der Sporthalle zu Gast.

Im Fokus seines Vortrags steht diesmal vor allem Adam Ondra. Der Star der Szene aus Tschechien zählt derzeit zweifellos zu den weltbesten Kletterern – wie er zuletzt bei der Kletter-Weltmeisterschaft in Innsbruck bewiesen hat. Doch am „echten“ Fels sind seine Leistungen noch viel beeindruckender. Heinz Zak hat ihn unter anderem in der „Dawn Wall” im Yosemite begleitet: Im November 2016 gelang ihm dort in atemberaubendem Stil in nur acht Tagen die erste Wiederholung der schwierigsten Mehrseillängenroute der Welt. Ein weiteres Resultat dieser genialen Zusammenarbeit der zwei Meister ist der neue Film „Die Kunst des Kletterns“, den Hainz Zak natürlich auch mit nach Tegernsee bringen wird.

Termin: Donnerstag, 18. Oktober, um 20 Uhr, Sporthalle

 

Große Hommage an Norman Dyhrenfurth am Donnerstag
Zwischen Mount Everest, dem Weißen Haus in Washington und Salzburg: Überall sammelte der Bergsteiger und Bergfilmpionier Norman Dyhrenfurth eindrucksvolle Bilder und Erlebnisse. Er folgte den Spuren seines berühmten Vaters, aber nicht als Wissenschaftler, sondern als Bergsteiger, Expeditionsleiter und Filmemacher. Als er im September des vorigen Jahres mit 99 Jahren in Salzburg gestorben ist, ging ein reich erfülltes Leben zu Ende. Das zeigt der Blick auf seine Hinterlassenschaft im Rahmen der Retrospektive am Donnerstag:

Im ersten Teil sind ab 17 Uhr im Barocksaal zwei seiner Dokumentationen zu sehen: Mit „Americans on Everest“ dokumentierte Dyhrenfurth ein neues Kapitel im Höhenbergsteigen: 1963 gelang es ihm, im Rahmen seiner Expedition die ersten Amerikaner auf den Gipfel zu bringen, die erste Überschreitung zu schaffen und einen neuen Weg zum höchsten Punkt der Erde zu finden. Für diese Leistung wurde Dyhrenfurth sogar von Präsident John F. Kennedy im Weißen Haus geehrt – und er schaffte es damit endgültig aus dem Schatten seines berühmten Vaters zu treten. Eine ebenfalls vielbeachtete Dokumentation ist „Samsara – Ein tibetisches Erbe“. Nachdem er in Hollywood in der Spielfilmszene mitgearbeitet hatte, kehrte Dyhrenfurth zurück ins Land der Sherpa und drehte diesen mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm über tibetische Totenrituale.

Ab 20 Uhr erinnert Festival-Direktor Michael Pause mit interessanten Gästen an das bewegte Leben Dyhrenfurths: Mit dabei sind unter anderem Dyhrenfurths Witwe, Maria Sernetz-Dyhrenfurth und Dr. Michael Bilic, der Leiter des Salzburger Bergfilm-Festivals, der seit vielen Jahren eine tiefe, herzliche Beziehung mit der Familie pflegt. Außerdem ist Filmemacher Andreas Nickel zu Gast, der die große Dokumentation über die Familie Dyhrenfurth drehte. „Zum dritten Pol“ ist der Titel des Films, der im Rahmen der Retrospektive neben weiteren Filmausschnitten zu sehen ist.

Termin: Donnerstag, 18. Oktober, um 17 und 20 Uhr, Barocksaal

 

„Gipfeltreff“ und abwechslungsreiches Rahmenprogramm
„Der“ Treffpunkt während des Festivals ist das Forum im Rathaus: Im „Gipfeltreff“ gibt es alles Wichtige und Interessante rund ums Festival, von den Tickets bis zu dem ein oder anderen Autogramm, das man sich von Filmemachern, Alpinisten oder prominenten Gästen dort erobern kann. In angenehmer Atmosphäre, bei einem guten Glas Wein, köstlichem Käse oder einer Tasse Kaffee kommt man auch leicht ins Gespräch. In der Film-Lounge lohnt es sich, auch zwischen den Vorstellungen einen Blick auf die beeindruckenden Bilder aus der Welt der Berge zu werfen.

Doch den ganzen Tag „nur“ auf die Leinwand blicken? Dazu ist die reizvolle Bergwelt um den Tegernsee zu schön. Das abwechslungsreiche Rahmenprogramm ermöglicht es, die zauberhafte Umgebung von ihren schönsten Seiten kennenzulernen: zum Beispiel bei einer Alpenballonfahrt, bei geführten Wanderungen – etwa unter dem Motto „Naturschutz und Forstwirtschaft“ – oder bei einer Radltour mit dem E-Bike.