PT_04_Interview                                                                                                       10/2018

Bergfilm Tegernsee, 16. Internationales Festival vom 17. – 21. Oktober 2018

Die Kamingespräche beim Bergfilm-Festival Tegernsee

Dr. Georg Bayerles Beiträge in „Bergauf-Bergab“ haben immer etwas Wohltuendes: Bei ihm muss das Besondere nicht extrem und das Schöne nicht spektakulär sein. Trotz allem blickt er ohne „Weichzeichner“ auf die Realität, Missstände rückt er feinfühlig ins Licht. Das zeichnet ihn nicht nur als Autor beim Bayerischen Rundfunk aus – im Radio wie im Fernsehen –, sondern auch als Moderator der ersten Stunde beim Bergfilm-Festival in Tegernsee. Als das Team 2015 einen Leiter für die neu ins Programm genommenen „Kamingespräche“ suchte, war es deshalb naheliegend, dass als Diskussionsleiter das „Urgestein aus dem Allgäu“ erste Wahl war. Am Freitag (19.10.) stellt Georg Bayerle beim inzwischen vierten Kamingespräch im Stieler-Haus die am Tegernsee derzeit höchst aktuelle Frage, welches Tourismus-Konzept künftig wohl die Oberhand gewinnt: Massentourismus oder Bergsteigerdorf? Vorweg jedoch ein kurzer Blick zurück – und natürlich in die Zukunft.

Kurz zur Erklärung: Wie muss man sich den Ablauf eines Kamingesprächs in etwa vorstellen? Darf da auch das „Publikum“ mitreden?
Das ist sogar besonders erwünscht. Wir haben im schönen Stieler-Haus eine geradezu intime Gesprächsatmosphäre, die macht es möglich, sehr unverkrampft und frei über die jeweiligen Themen zu reden und den Gesprächspartnern auch wirklich nahe zu kommen. Da haben sich schon ganz besondere Momente ereignet, wenn gerade aus dem Publikum eigene, persönliche Erfahrungen und Ansichten ins Gespräch eingeflossen sind.

An welches der drei bisherigen Kamingespräche denken Sie besonders gerne zurück?
Jedes hatte seinen besonderen Reiz: unvergesslich natürlich die Anwesenheit von Norman Dyhrenfurth, dem amerikanisch-schweizerischen Bergsteiger und Filmer, der anlässlich des Herrligkoffer-Abends gekommen war. Oder natürlich Werner Bätzing, gleich beim ersten Kamingespräch, der bekannte Alpenforscher. Damals hat sich spontan gleich eine Diskussion zum Tegernseer Tal entwickelt, die sehr engagiert und wichtig war. Ein bisschen in die Richtung soll es ja diesmal auch gehen, anlässlich der Ernennung von Kreuth zum „Bergsteigerdorf“.

Hat es im Rahmen der Diskussion auch schon mal richtig „Zoff“ gegeben – und wie haben Sie da reagiert?
Meinungsverschiedenheiten, natürlich. Und die sind ja, wenn sie inhaltlich stichhaltig vorgetragen werden, sehr wichtig und auch produktiv. Wenn sich das zu einem Zwiegespräch zweier Kontrahenten verselbständigt, dann breche ich das ab. Solange daraus aber möglicherweise ein tieferer Einblick entsteht, verfolge ich in der Gesprächsleitung die jeweiligen Argumente. Im Idealfall nehmen wir alle neue Gedanken mit von diesem Gespräch.

Glauben Sie, dass man mit so einer Veranstaltung im Rahmen eines Bergfilm-Festivals auch tatsächlich etwas bewirken kann?
Entscheidend ist, dass das Festival nicht einfach nur als spannendes Unterhaltungsprogramm voller schöner oder spektakulärer Bilder wahrgenommen wird. Das Kamingespräch ist im Grunde der markante Punkt im Programm, der deutlich macht, dass Bergsteigen, Filmen in den Bergen, das Unterwegssein immer auch eine gesellschaftliche Dimension hat. In so einer um das Thema konzentrierten Atmosphäre wirken die Inhalte so einer Veranstaltung vielleicht auch nochmal intensiver.

Sie kennen das Bergfilm-Festival schon von Anfang an. Was reizt Sie, Jahr für Jahr ehrenamtlich wieder mit dabei zu sein?
Es sind die Gespräche, die Begegnungen am Rande, der Austausch mit dem Publikum, die besondere Atmosphäre, in der die Bergwelt im Mittelpunkt steht. Wir haben die Chance, über das sinnliche Medium Film viele für das Thema zu begeistern und genau wie bei einer langen Bergtour gibt es viele Etappen, bei denen ich mich jedes Mal frage, was ist gut gelaufen, was sollte verbessert werden. Die Vielfalt der Filme ist ja selbst eine Entdeckungstour rund um den Globus und zu verschiedensten Berg-Persönlichkeiten.

Wie muss sich das Festival entwickeln, damit Sie auch in Zukunft mit so viel Begeisterung mit dabei sein werden?
F
ür die Zukunft des Bergfilm-Festivals wünsche ich mir eine große Vielfalt an Filmen mit weiterhin möglichst wenigen kommerziellen und werblichen Produktionen. Filme mit einer Haltung, denen man anmerkt, dass ihnen ein scharfer Verstand und ein guter Blick zugrunde liegen. Hochglanz und tolle Aufnahmen sind zu wenig. Und dass sich die Tage rund um den Film immer mehr etablieren und noch mehr zum Treffpunkt von Bergliebhabern und Kreativen werden.