Pressetext Festival                                                                            22/10/2016

14. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee, 19. - 23. Oktober 2016

Weil jeder Moment wertvoll ist 

Sie sind geklettert, gefahren, geflogen und balanciert. Sie haben in den Bergen dieser Welt ihr Leben riskiert, große Gefühle gezeigt und sich sogar getraut, auch mal mit Erfolg zu scheitern: Beim 14. Bergfilm-Festival in Tegernsee war großes, mitreißendes Kino geboten mit großartigen Siegerfilmen aus aller Welt.

Packend, authentisch, hautnah und echt: Das sind die „Zutaten“ der Filme, die in Tegernsee Publikum und Jury begeisterten. Da war es fast schon schade, dass wie immer nur sechs Preise vergeben wurden. „Du tauchst ein und kommst den Menschen und der Natur ganz nah“, fasste ein Zuschauer das „Gefühl Bergkino“ zusammen: Wenn der italienische Extrembergsteiger Daniele Nardi im Winter am Nanga Parbat erfolgreich scheitert (Verso l’ignoto, Großer Preis der Stadt Tegernsee), wenn die Kinder der am K2 verunglückten Mütter und Väter offen schildern, was die Leidenschaft ihrer Eltern und ihr Tod am Berg für sie bedeutet hat (K2 – Touching the Sky, Preis des Deutschen Alpenvereins für den besten Alpinfilm), wenn ein junges Mädchen in Nepal es nicht schafft, in der Einsamkeit der Großstadt weiterzuleben („Drawing the Tiger“, Bester Film Kategorie Lebensraum Berg) oder wenn differenziert das Für und Wieder der Erschließung eines riesigen Skigebiets in British Columbia beleuchtet wird („Jumbo Wild, Bester Film Kategorie Naturraum).

Der Blick in die Kinosäle zeigte auch, dass bei überraschend vielen guten Filmen der Fokus weniger darauf gerichtet ist, ob man das Ziel erreicht hat, sondern vielmehr darauf, wie die Protagonisten mit der niemals kalkulierbaren Herausforderung Berg umgehen, ob man ihr gewachsen ist und auch den Mut aufbringt, im richtigen Moment umzukehren. Der Erfolg bekommt damit eine neue Dimension, so wie „Zeit“ in den Filmen oft nicht mehr gleichbedeutend mit Geschwindigkeit und Rekorden ist: Es genügt Greti, der sympathischen Wirtin der Büllelejoch-Hütte, mit ihrem Sohn in zwei Tagen alle Gipfel der Sextener Sonnenuhr zu besteigen. Wer auf Geschwindigkeit schaut, verliert nur Zeit in den Bergen, in der Natur, hat man den Eindruck. Weil jeder Moment wertvoll ist.

Das gilt wohl besonders für Basejumper wie Uli Emanuele, der durch einen Feuerring springt und durch Schluchten jagt. Im Kino sah man jede Bewegung in extremer Zeitlupe und aus den verschiedensten Perspektiven – sonst würde ja niemand etwas davon mitbekommen, in Echtzeit dauert so ein Flug nur Sekunden. Doch irgendwie hatte man trotzdem das Gefühl, dass es schon richtig war, dass Uli Emanuele seine Träume erfüllt hat – auch wenn er dafür letztendlich mit dem Leben bezahlen musste. Da kann man abschließend dem Fotograf und Extrembergsteiger Heinz Zak nur recht geben, wenn er in der Dokumentation „Der demütige Held“ dem Publikum noch seinen Plan für die Zukunft verrät: „Dem Schutzengel ab und zu ein Bier zahlen und sich viel Zeit nehmen für die Berge.“