14. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee, 19. - 23. Oktober 2016

„Schauen Sie sich den Berg einfach an“

Es gibt Filme, bei denen man von der ersten Szene an den Eindruck hat, dass es hier nicht darum geht zu zeigen, was für ein toller Kerl man ist. Im Mittelpunkt steht weniger die Leistung, sondern vielmehr die Liebe zu einem Land, zu einer Region oder zu einem Berg. „Monte Sarmiento – Die weiße Diva“ mit Ralf Gantzhorn ist so ein Film.

Der Berg liegt fernab, er ist von Stürmen umbraust, nur selten zu sehen und auch alpinistisch gesehen eine Herausforderung. Der Hamburger Bergfotograf Ralf Gantzhorn machte sich schon sieben Mal auf den schwierigen, aber umso faszinierenderen Weg zum Gipfel des Monte Sarmiento. Einmal hat ihn Jochen Schmoll, einer der derzeit besten deutschen Filmemacher im Bergfilm-Genre, begleitet. Doch warum ist Ralf Gantzhorn der weißen Diva erlegen und wie war es für ihn, einmal selbst vor der Kamera zu stehen?

Sie, ein renommierter Fotograf, und Jochen Schmoll, ein sehr erfahrener, mehrfach ausgezeichneter Filmemacher: Ist die Arbeit unter Profis einfacher oder prallen da auch manchmal Welten aufeinander?

Jochen ist auf der einen Seite ein total sympathischer Typ und auf der anderen ein Perfektionist. Diese beiden Eigenschaften haben, kombiniert mit meiner Begeisterung für den Berg und mit meiner genauen Kenntnis der Verhältnisse vor Ort, zu einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit geführt.

Haben sie dabei unterwegs etwas entdeckt oder erfahren, was sie als Fotograf vielleicht noch nie so gesehen haben?

Ich habe Mal wieder gestaunt, wie viel Mehrarbeit die „Filmerei“ bedeutet. Und staune immer noch, wie großartig Jochen die fantastischen Landschaften Feuerlands filmisch umgesetzt hat. Besonders beeindruckt mich seine manuelle Führung der Schärfe.

Vom „Technischen“ zum Wesentlichen, dem Berg: Der Monte Sarmiento scheint Sie magisch anzuziehen. Ein gerade mal 2200 Meter hoher Gipfel, der in Feuerland mitten im sturmumtosten Meer liegt, der von Gletschern, Urwald und Sümpfen umgeben ist und an dem das Wetter eigentlich immer schlecht ist. Warum? Das alles klingt ja nicht wirklich einladend! 

Schauen Sie sich den Berg an!!! Für mich ist der Monte Sarmiento der schönste Berg der Welt. Trotz oder gerade wegen seiner Abgeschiedenheit und seines spröden Habitus.

Sie wurden von dieser Diva immer wieder abgewiesen, verliert man da nicht irgendwann das Interesse – oder bekommt auch ganz einfach Angst?

Das Interesse an diesem Berg werde ich wohl nie verlieren, vielleicht aber werde ich müde diesen riesigen Aufwand stets aufs Neue zu organisieren – letztendlich für ein bisschen Wetterlotto. Aber zum Glück beschränkt sich mein Interesse ja nicht nur auf den Monte Sarmiento. Es ist die Gegend, der Südwesten Feuerlands. Wenn ich mir eine Landschaft backen könnte, dann genau den Fjordo Agostini und seine Umgebung. Und dort unterwegs sein zu dürfen, ist für mich weiterhin ein unschätzbares Privileg.

Wenn Sie mit Menschen sprechen, die den Film schon gesehen haben, teilen Sie nachher Ihre Begeisterung für den Berg?

Die fragen alle, wann und wo der Film in der Langversion zu sehen sein wird.

Und wie geht es Ihnen selbst, mit was für Gefühlen schauen Sie „die weiße Diva“ jetzt an?

Mit Begeisterung für die filmische Umsetzung der einmaligen Landschaft dort und etwas Wehmut, es wieder nicht bis zum Gipfel geschafft zu haben.

Wird es vielleicht noch einen zweiten Teil geben? Was würden Sie dann anders machen, damit es doch noch ein Happy End gibt?

Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich es noch Mal versuchen werde. Aber wenn, dann sicherlich von Punta Arenas aus mit einem schnellen Boot und der (hoffentlich) sicheren Vorhersage von mindestens drei Tagen guten Wetters. Und ich würde es wahrscheinlich von Westen über das Lovisato-Tal und die Südwestwand versuchen.

Info: „Monte Sarmiento – Die weiße Diva“ läuft am Freitag, 21. Oktober im Barocksaal und in der Sporthalle und am Samstag, 20 Uhr, im Schalthaus. Zu Gast sind Jochen Schmoll und Ralf Gantzhorn.