13. Bergfilm-Festival Tegernsee 2015: Begründung der Jury

Großer Preis der Stadt Tegernsee (€ 3.000,-)
„Miejsce - The Place“ von Julia Poplawska (Polen)

Egal wie kurz– dieser Film ist großes Kino und regt zum Nachdenken an. Er ist ein neuer Ansatz, Bergfilme zu machen und zeigt auf, wie man mit wenigen Mitteln gewöhnliche Geschichten spannend erzählen kann. Die Regie schöpft hier ihre ganze mögliche Kreativität aus. Man sieht keine Berge, jedoch spürt man sie. Nicht zuletzt durch die ungewöhnlichen Kameraperspektiven. Der Film verzichtet auf gesprochenen Kommentartext. Wie beim Kollegen Kubrik wird der Betrachter mit statischer Kamera auf atmosphärische Art und Weise stimuliert. Alles scheint in Balance zu sein – bis es an der Türe pocht... Die Produktion besticht mit akzentuierter Musik, spannender Kameraführung und außerirdischer Kolorierung. Aus einem scheinbar langweiligen Arbeitsort wird ein mystisches Abenteuer. Man fühlt sich in eine andere Welt versetzt und ist doch mitten auf der Erde. Kraftvoll. Scharf und nachhallend.

Preis des Deutschen Alpenvereins für den besten Alpinfilm der Kategorie »Erlebnisraum Berg« (€ 1.000,-)
„First Ascent – Kunyang Chhish East“ von Milena Holzknecht, Alessandro Bandinelli, Matteo Vettorel (Italien)

Amüsanter und sympathischer Bergfilm mit drei optimistischen Jungs. Nur als es für sie am Berg richtig hart wird, denken sie kurz, dass sie „im falschen Film“ sind... Mit minimalem Kameraeinsatz erreichen die Filmemacher eine maximale Wirkung – ohne die leichten, modernen Kameratechniken zu strapazieren. Und genau das, macht diesen Film sehr intensiv. Ein oft breitgetretenes Thema wird mit wirkungsvollen Bildern sehr spannend gemacht. Die spartanische Art der drei Protagonisten, sorgt für sehr kurzweilige 37 Minuten. Ruhiger und besonnener Film, der auch Konflikte am Berg unaufgeregt erzählt und nichts ausspart. Er ist rundum sympathisch, authentisch und bezeugt, dass es noch uneingeschränkte Kameradschaft am Berg gibt!

Bester Film in der Kategorie »Lebensraum Berg« (€ 1.000,-)
„Sunakali – Ein Mädchentraum wird wahr“ von Bhojraj Bhat (Nepal)

Ein globales Thema führt uns in eine andere Welt. Fußball spielt auch eine wichtige Rolle in einem abgelegenen Dorf im Himalaya. Der Film erzählt eine bewegende unkonventionelle Geschichte, die uns ein anderes Bild des Himalaya vermittelt: unterprivilegierte Mädchen bekommen die Chance auf eine bessere Zukunft. Gleichzeitig regt dieser Film auch zum Nachdenken an: Sunakali und ihre Mitstreiterinnen begeben sich mit einem Fuß in die Moderne und dürfen kurz spüren, wie es sich anfühlt, aus ihrem Dorf auszubrechen. Bhojraj Bhat zeigt große Empathie gegen alle gesellschaftlichen Widerstände und schafft es, Traditionen zu brechen. Wir werden Augenzeugen, wie fünf Mädchen in eine Männerwelt einbrechen. Mit seiner Kamera verfolgt Bhat diese jungen Frauen, ganz einfach, ohne großes technisches Schnickschnack, was uns das Gefühl gibt, auch dort zu sein. Der Film zeigt einen Generationskonflikt in einem Nepal, das sich im Auf- bzw. Umbruch befindet.

Bester Film in der Kategorie »Naturraum Berg« (€ 1.000,-)  und
Otto-Guggenbichler-Nachwuchspreis  (€ 1.000,-)
„La Quête d’Inspiration: Alexandre Deschaumes, Photographies éthérées“ von Mathieu Le Lay (Frankreich)

Ein reiner Augenschmaus: hier sehen Bilder aus wie Gemälde! Der Filmemacher vermittelt uns, dass der Planet Erde eine absolute Ausnahmeerscheinung ist. Der artistische Prozess des Fotografen ist gut dargestellt und wir werden Augenzeugen, wie die atemberaubende Natur künstlerisch interpretiert wird. Der Film präsentiert außergewöhnliche Bilder. Durch die persönlichen Aussagen des Protagonisten erhält der Zuschauer auch tiefere Einblicke in die Konfliktwelt des Fotografen. Warum setzt er sich den oft unwirtlichen Naturgewalten aus? Am Schluss des Filmes stellt er sich die Frage, ob seine Arbeit überhaupt noch Sinn macht. Aber wie ein Bergsteiger, will er nicht kurz vor dem Ziel aufgeben. Der Film ist originell, überraschend und sehr lebendig auf allen Ebenen und erinnert an die besten Reisebeschreibungen von Bruce Chatwin.

Lobende Erwähnungen (undotiert)

Yosemite - Valley Uprising“ von Peter Mortimer, Nick Rosen (USA)
Ein Film zum Staunen! Eine einmalige Dokumentation für ein breites Publikum, die auf humorvolle und authentische Art eine sehr wichtige Entwicklung in der Kletterszene in den Vereinigten Staaten zeigt. Dieser Film fällt nicht in die kommerzielle Falle und hat die Kreativität und Spontaneität einer autonomen Low-Budget Produktion. Die Linie ist klar, er verzettelt sich nicht und verfolgt die Entwicklung der immer größer werdenden Belastung der menschlichen Anwesenheit in der Natur. Aus einem freien Lebensraum wird ein stark kontrollierter touristischer Naturpark. Eine einmalige Zusammenschau eines der Klettermekkas dieser Welt. Legenden leben auf und kommen durch den Film ganz nah.

„Alexandre, fils de berger“ von Anne und Erik Lapied (Frankreich)
Der xte Film über das Leben mit Schafen, aber: exzellente Kamera und gute Geschwindigkeit, ohne zu idealisieren oder zu romantisieren. Er zeigt den Alltag einer Schäferfamilie durch die Augen von sehr empathischen Filmemachern, die sich auch nicht scheuen, mit unkonventionellen Seitensprüngen zu überraschen. Ein völlig unverfremdetes Dokument über das heutige Leben zwischen Tradition und Moderne.

„Jurek“  von Pavel Wysoczański (Polen)
Ein längst fälliger Film über einen der größten Alpinisten überhaupt: Jurek Kukuczka und sein kompromissloser Stil, Berge zu besteigen. Hier wird dem großen Polen endlich ein filmisches Denkmal gesetzt, welches ihn mit all den Widersprüchlichkeiten seines Lebens darstellt. Der Filmemacher arbeitet mit Originaldokumenten, die den Zeitgeist von damals wiedergeben und die Herausforderungen der sogenannten kommunistischen Zeit Polens illustrieren.

„Žiť pre Vášeň - Leben für die Leidenschaft!“ von Pavol Barabaš (Slowakei)
Dieser Film vermittelt poetische Emotionen, denn hier wird die Seele des Menschen mit der Seele des Berges verbunden. Und das hält der Film auf allen filmischen Ebenen über 90 Minuten durch. Die naturkräftigen Bilder in Kombination mit Originaltongesprächen und passender Musik ergeben poetische Atmosphäre. Ein Film mit Vorbildcharakter für Bergsteiger!

Publikumspreis
„Kühe, Käse und drei Kinder“ von Susanna Fanzun (Schweiz)