Pressetext     -     22/10/2015

13. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee, 21. - 25. Oktober 2015

Weit wie der Bergfilm

Extreme Kletterer in ungewöhnlicher Umgebung, wilde Kajakfahrten durch die fantastische Bergwelt Norwegens, atemberaubende Bilder und berührende Geschichten: Gleich am ersten Abend zeigte der Bergfilm in den nahezu ausverkauften Sälen, wie weit sein Spektrum ist.

Sie zeigen in wenigen Minuten, mit welcher Vielfalt der Bergfilm begeistert: So unterschiedlich sind die Geschichten, die Extremkletterer Stefan Glowacz und Kajakfilmer Olaf Obsommer am Eröffnungsabend erzählen. In ihren Filmen ebenso wie im Gespräch mit Festival-Direktor Michael Pause. Da ist zum einen der bekannte Kletterstar Stefan Glowacz: Routiniert versteht er es, das Publikum zu fesseln. Sei es auf der Leinwand, wenn er tief unter der Erde Omans durch überhängende Höhlenwände den Weg zurück ans Licht sucht - und ihm dabei der sympathische amerikanische Extremkletterer Chris Sharma fast die Show stiehlt. Oder im Tegernseer Barocksaal, wenn er erzählt, wie schwierig es für sein Team war, in kurzer Drehzeit und trotz zerschelltem Oktokopter und lädierten Fingern das Ziel zu erreichen.

Filmemacher Olaf Obsommer, einst Kajakprofi und nun Filmemacher, kennen hingegen wohl die wenigsten. Sein Element ist das Wildwasser – und wie kaum ein anderer versteht er es, mit seinen Bildern auch jene mitzureißen, die damit eigentlich nichts anfangen können. Mit Mountainbike und Boot im Anhänger, wenig Budget und drei liebenswerten Sportlern geht die Reise durch Norwegen; Herausforderungen sind wildschäumendes Wasser, das durch großartige Berglandschaften rauscht, und nasse, steile Passstraßen. Und Supermärkte, die schon geschlossen sind, wenn die hungrigen Wildwasserakrobaten ankommen. Nicht zu vergessen der eisige Regen, der allerdings niemandem die gute Laune verdirbt - das ist Begeisterung, die sich aufs Publikum überträgt, auch wenn Olaf Obsommer schildert, wie schwer seine Anfänge als Filmer waren und ihm eigentlich erst die technische Entwicklung den Weg in TV-Studios und größere Kinosäle eröffneten. 
Ganz ohne sportliche Kraftakte, dafür mit einer brillanten Filmtechnik kommt ein anderer Film aus: Die polnische Filmemacherin Julia Poplawska schafft es alleine anhand der Kraft ihrer Bilder in den Köpfen der Zuschauer eine Wetterstation auf einem einsamen Gipfel in der Hohen Tatra in eine Raumstation zu verwandeln: Eine hochtechnisierte Welt, in der Menschen der Technik untergeordnet sind und in der selbst „Außerirdische“ nichts verloren haben. Ein Ort, an dem alles messbar und nichts spürbar ist - außer Kälte. Und diese Kälte macht sich auch im Publikum breit, selbst Worte scheinen erstmal eingefroren. Ein Film, der einen eher erstarren lässt, als mitreißt – aber doch in seinen Bann zieht. 
"Es ist faszinierend, wie unterschiedlich Bergfilm wirkt", meint eine Zuschauerin. Diese Tatsache, macht die Aufgabe für die international besetzte Jury richtig schwer. Ob sie in diesem Jahr mit sattem Budget und guten Sponsoren ausgestatteten Extrembergsteigern, berg- und filmbegeisterten Idealisten, eisigen Raumstationen oder herzerwärmenden (Lebens-)Geschichten den Vorzug gibt, bleibt spannend bis zur Preisverleihung am Samstagabend. „In diesem Jahr ist die Dichte der sehr guten Filme bei den Alpinfilmen besonders groß“, soviel verrät Festival-Direktor Michael Pause bereits. „Doch nicht nur in dieser Kategorie können sich die Tegernseer Zuschauer in den nächsten Tagen noch auf viele hervorragende Filme freuen.“

Informationen zum Festival: Sonderbüro Bergfilm-Festival Tegernsee, Tel. +49(0)8022-18 01 37 Kartenvorverkauf und Programm im Internet: www.bergfilm-festival-tegernsee.de oder www.muenchenticket.de sowie über die Tourist-Information Tegernsee, Tel. +49(0)8022-92 73 862.