Pressemeldung                                                                                   25/10/2014

12. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee, 22. - 26. Oktober 2014

„Wie ein Blick in die Zukunft des Bergfilms“

Eisiger Sturm und milde Herbstsonne, tristes Grau und überschwängliche Farbenpracht, spektakuläre Filme von ganz oben und von tief drinnen im Berg. Und nicht zuletzt großartige Siegerfilme, die nicht gegensätzlicher sein könnten. Das 12. Bergfilm-Festival war von Kontrasten geprägt, die begeistern.

Stille. Man kann nicht alle Fragen wie aus der Pistole geschossen beantworten. Heinz lässt sich Zeit, in Ruhe zu überlegen. Und was er denkt, spiegelt sich in seiner Mimik wieder. Da braucht es keine Worte, nur Zeit, um in Ruhe zu beobachten, wie sich die Mundwinkel bewegen und wie die Augen, die zweifelsohne schon sehr viel gesehen haben, aufblitzen. Diese Zeit lässt Filmemacher Benedikt Kuby seinem Publikum in  der Dokumentation „Der Bauer bleibst Du“ – nicht nur einmal, sondern 104 Minuten lang. „Es ist eine Kamera, die Gesichter zum Sprechen bringt, auch wenn gerade kein Wort gesprochen wird“, schreibt die international besetzte Jury in ihrer Begründung. Der Film erfasst die Welt dieses Bauern mit einer außergewöhnlichen Sensibilität, es gibt keine Stelle, die gestellt oder unglaubwürdig wirkt. „Es ist selten, dass eine Jury einfach nur fasziniert ist“ schildert Juror Helmut Scheben (Schweiz). „Doch bei diesem Film war es so und es war sofort allen klar, dass der Große Preis der Stadt Tegernsee an diese Produktion gehen muss.“ An einen sehr ruhigen Film, der in klassischer Filmkunst von einem Ein-Mann-Team produziert und auch finanziert wurde.

Der Kontrast zu „Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance“, dem Gewinner des Preises des Deutschen Alpenvereins für den besten Alpinfilm, könnte kaum größer sein, sei es in Bezug auf das Budget, die Crew, die Machart. Einzige Gemeinsamkeit: Beide Filme sind auf ihre Art perfekt und bewegen die Zuseher zutiefst. „Cerro Torre ist fast wie ein Blick in die Zukunft des Bergfilms“, so Festival-Direktor Michael Pause vom Bayerischen Rundfunk. „Daran wird man sich künftig orientieren.“ Dabei sind die oft überraschenden, atemberaubenden Bilder vom wohl spektakulärsten Berg der Welt nur ein Mosaikstein. „Es ist ein Film über eine epische Leistung, die eine ebenso epische Anstrengung erfordert, und zwar sowohl von den Kletterern als auch vom Filmteam. Wir sehen, was ein Team erreichen kann, wenn es zusammenhält“, urteilt die Jury. Der Inhalt des Films ist vielschichtig: Gezeigt wird nicht „nur“ die erste freie Begehung des Cerro Torre, sondern auch die Entwicklung des Extremkletterers David Lama vom Wunderkind zum reifen Alpinisten. Momente des Scheiterns, auch der Langeweile werden ebenso thematisiert wie die spannende Geschichte dieses Berges. Behutsam wird außerdem die unglaubliche Leistung des Kamerateams am Cerro Torre mit eingeflochten. „Von Heldentum ist dabei wohltuend wenig die Rede, obwohl die Leistung aller Beteiligten heldenhaft ist“, so die Jury.

Preis für „Die Butterlampe“ – und für die Arbeit der Jury
Dass die Jury mit Helmut Scheben (Schweiz), Eloïse Barbieri (Italien), Bernadette McDonald (Kanada) , Karin Michalke und Matthias Fanck (beide Deutschland) völlig unabhängig von den Veranstaltern agiert, zeigt die Preisvergabe in der Kategorie „Lebensraum Berg“: „Die Butterlampe“ von dem tibetischen Filmemacher Hu Wei wurde eigentlich aus dem Wettbewerb genommen, da der Berg in diesem kurzen Film über einen tibetischen Wanderfotografen keine Rolle spielt. „Da wir uns klar als Bergfilm-Festival positionieren, legen wir auf dieses Detail natürlich auch besonderen Wert“, begründet Festival-Direktor Michael Pause diese Entscheidung. „Wir wollten diesen brillanten Film unserem Publikum aber keinesfalls vorenthalten, deshalb haben wir ihn außer Konkurrenz ins Programm genommen.“ Im Hochland von Tibet gedreht, sah die Jury den Bezug zum „Berg“ hingegen sehr wohl als gegeben und setzte den Film auf die Siegerliste. „Es ist für uns selbstverständlich, dass hier die Jury das letzte Wort hat und nicht das Organisationsteam oder ich als Direktor“, betont Michael Pause. „Für uns ist das ein sehr positives Zeichen, da wir sehen, wie ernsthaft die Jury ihre Arbeit nimmt und wie wichtig es ihnen ist, dass hier wirklich die besten Filme prämiert werden“, so Pause. „Schon dafür hat sie eigentlich auch einen Preis verdient.“

Vom Winde verweht in eine sichere Zukunft
Regelrecht vom Winde verweht wurden wohl einige Gäste zu Beginn des Festivals, als in manchen Filmsälen einige Plätze unbesetzt blieben. Doch mit der strahlenden Herbstsonne füllten sich auch die Kinos wieder in gewohntem Umfang. Mit einem neuen Besucherrekord ist somit in diesem Jahr nicht zu rechnen, trotzdem ist der Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn voll zufrieden mit dem Verlauf: „Es war Spitzenklasse und es hat sich wieder gezeigt, dass sich die Stadt Tegernsee als Veranstalter voll auf das Organisationsteam rund um Festival-Direktor Michael Pause verlassen kann. Zweifellos: er ist das Gesicht dieses Festivals“, freut sich Johannes Hagn in seinem ersten Festival-Jahr als Tegernseer Bürgermeister. Begeistert ist er auch von dem großen Idealismus, mit dem an die hundert Freiwillige Helfer während der Festivaltage engagiert mit anpacken.

Außer Frage stehe, dass das Bergfilm-Festival auch unter seiner Regie Bestand habe. „Ich stehe voll und ganz dahinter. Ich befürworte es auch, dass wir interessante Menschen wie die Jurorin Bernadette McDonald aus Kanada oder den Höhlenforscher Kieran McKay aus Neuseeland herholen. Das unterstreicht unsere Internationalität.“ Ziel sei es, in Europa mit den renommierten Bergfilm-Festivals in Trient und Graz gleichzuziehen und trotzdem den besonderen Charme zu wahren. „Die Leute müssen sich darum reißen, hier dabei sein zu dürfen“, hofft Hagn. Auf dem Weg dorthin müsse vor allem in die Technik investiert werden, „da ist noch Luft nach oben.“

„Bergfilmfreunde Tegernsee“ als Förderer des Festivals
Dafür, dass dieser Plan auch finanziell realisierbar sein könnte, hat der Mitbegründer des Festivals Peter Janssen – seit kurzem Altbürgermeister – die Weichen bereits gestellt mit der Gründung der „Bergfilmfreunde Tegernsee“. „Zweck dieses jungen Vereins ist die ideelle und finanzielle Förderung des Festivals“, schildert Janssen. „Mitgliedsbeiträge und Spenden sollen künftig das Festival finanziell absichern und notwendige Verbesserungen ermöglichen, um steigenden Ansprüchen gerecht werden zu können und das Festival weiterzuentwickeln.“