Bergfilm-Festival Tegernsee
Offizielle Begründung der Jury 2013

Grosser Preis
Le thé ou l‘électricité

Der Film wurde ausgewählt, weil er weit über die herkömmliche europäische Vorstellung vom Bergfilm hinaus geht. Er zeigt, dass Berge nicht nur für Freiheit, Gipfelglück und sportliche Leistung stehen, sondern auch Ursache von  Ausgrenzung, Einsamkeit und sozialen Konflikten sein können.  Mit packenden Bildern und einer Kamera, die so diskret ist, dass sie inexistent scheint,  begleitet der Film eine abgelegene marokkanische Dorfgemeinschaft auf ihrem problematischen Weg in die moderne Informations- und Medienwelt. Es ist die Geschichte einer Desillusion, langsam, eindrücklich und spannend erzählt im Stil des klassischen Dokumentarfilms.


Erlebnisraum Berg
Autana

Autana ist eine Art Gegen-Entwurf zum klassischen Kletterfilm. Die Protagonisten verlieren selbst in ernsten Situationen nicht ihre coole, flapsige Art und nähern sich durch ihre flotten Sprüche stellenweise der Parodie. Dieser Ansatz geht einher mit formaler Experimentierfreude, viel Musik, phantasievollem Schnitt und Computeranimation im Stil der Surfer-Szene. Die anspruchsvolle Kletterei im Expeditionsbereich zeichnet sich aus durch gute Kameraarbeit, die von einem sehr kleinen Team unter schwierigen Bedingungen bewältigt wurde.


Naturraum Berg
Steinböcke in den Allgäuer Bergen

Ein klassischer Tierfilm, tadellos in der Arbeit mit der Kamera, im Schnitt und im Text. Die ruhige Erzählung vermittelt etwas vom Rhythmus der Natur und der Jahreszeiten. Der Kommentar ist einfach und klar und dennoch tiefgründig und von hoher Sprachqualität. Die Verbindung zweier Erzählstränge – die Steinböcke und die Menschen auf der Berghütte –  ist dramaturgisch elegant gelöst.


Lebensraum Berg
Kurt und der Sessellift

Ein No-action-Film und damit ein Film, der gegen den Strich bürstet. Das gelungene Porträt von einem kuriosen und sympathischen Einzelgänger, wie es ihn wohl nicht nur in der Schweiz gibt. Der Film ist in jeder Hinsicht ein Gegenstück zu allen filmischen Klischees und ästhetischen Moden. Die Realisatoren hatten keine Angst vor Totalen mit fixer Kamera.
Es gibt immer nur einen Schauplatz, die Bergstation des Skiliftes, welche gleichzeitig der wichtigste Schauplatz im Leben von Kurt ist.  Und dennoch hören wir eine ganze Lebensgeschichte, erzählt in wenigen spröden Worten. Die Gratwanderung zwischen Tragik und Komik ergibt den Charme des Films.

Bester Nachwuchsfilm: Otto Guggenbichler Preis
Petzl Roc Trip China

Der Film wurde ausgewählt, weil er Klettern als Spass und als spielerisches Erlebnis zelebriert. Hinzu kommt die eindrückliche Kulisse einer Flusslandschaft in China, wo an gigantischen Felsenhöhlen schwierige Routen zu meistern sind. Formale Experimentierfreude nach Art von Videoclips, frech-fröhliche Protagonisten und ein guter Sound.


Preis für den besonderen Film
Je veux

Der Film beweist, dass Bergsteigen nicht immer eine Sache von Alpinisten sein muss. Es kann auch einmal ein spontaner Einfall von Künstlern oder anderen kreativen Leuten in einem Strassencafé auf Montmartre sein. Die Idee der französischen Chansonnière ZAZ, mit ihrer Band auf den Gipfel des Mont Blanc zu steigen und zu singen, ist die perfekte Überraschung für den Zuschauer.  Die Handlung bekommt einen speziellen Drive und Rhythmus durch den mitreissenden Charme der Protagonistin.

Lobende Erwähnung der Jury
La Dura Dura

Spitzenkletterer verschiedener  Generationen begegnen sich, um gemeinsam zu arbeiten. Erfahrungs-Austausch und freundschaftliche  Zusammenarbeit ersetzen das traditionelle  Konkurrenzdenken und ergeben eine hohe Leistung.  Ein neuer Stil im Extremsport.