10. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee vom 13. bis 21. Oktober 2012

Begründung der Jury
Jury-Mitglieder:
Daniela Cecchin | Dr. Rainer Stephan | Gieri Venzin | Dariusz Zaluski | Victor Grandits

Großer Preis der Stadt Tegernsee
„Schnee“
Regie: August Pflugfelder (Deutschland)
Die suggestive Bildersprache von August Pflugfelders Film dringt hinter die Oberfläche unserer üblichen Berg- und Tourismus-Klischees. Sie zeigt, wie an die Stelle der nicht mehr vom Himmel fallenden Ressource Schnee ein mit beängstigendem Aufwand hergestelltes und ökonomisch verwertbares Produkt tritt – und wie der Versuch, die Natur zu ändern, zwangsläufig auch das Leben der auf dieses Produkt angewiesenen Menschen verändert. Die originelle Handschrift des Films bleibt dabei nicht Selbstzweck, sondern dient der Formulierung eines oft schmerzhaft kritischen eigenen Standpunkts.

Preis des Deutschen Alpenvereins für den besten Alpinfilm der Kategorie „Erlebnisraum Berg“
Kota 42 (Höhe 42)
Regie: Ema Konstantinova (Bulgarien)
Ema Konstantinowa erzählt in „Kota 42“ eine ungewöhnliche Geschichte – den Weg eines schwer verunglückten und von den Ärzten fast aufgegebenen Bergsteigers zurück ins Leben und in die Berge – auf eine ganz und gar ungewöhnliche Weise. Statt sich auf konventionelle Kommentare und Interviews zu stützen, setzt die Autorin ganz auf die Präsenz der Protagonisten. Ihnen, ihren Gesichtern und ihren Gefühlen lässt der Film konsequent ihren eigenen Raum, bis hinein in ihr eigenes Schweigen.

Bester Film in der Kategorie »Naturraum Berg«
„Gypaetus Helveticus“
Regie: Marcell Barelli (Schweiz)
In gerade einmal sieben Minuten bringt Marcell Barellis Zeichentrickfilm Gypaetus Helveticus eine viele hundert Jahre währende Entwicklung – die Verteufelung, die Ausrottung und schließlich die Wiedereingliederung des Bartgeiers in der Schweiz nicht nur witzig, sondern auch höchst sachgerecht auf den Punkt.

Bester Film in der Kategorie »Lebensraum Berg«
„Polyphonia – Albaniens vergessene Stimme“
Regie: Björn Reinhardt, Eckehard Pistrick (Deutschland/Rumänien)
Über das eindrucksvolle Porträt seiner Hauptfigur hinaus macht der Film die Zusammenhänge zwischen Landschaft, Charakter und menschlicher Kommunikation deutlich. „Polyphonia“ meint dabei nicht nur den Zusammenklang eigenständiger Stimmen, sondern auch das Miteinander unterschiedlicher Lebenseinstellungen und Religionen. So wird Björn Reinhardts Darstellung einer vom Untergang bedrohten Welt zum Gegenentwurf zu einer auf Mobilität bedachten Gesellschaft, in der es den Menschen zunehmend schwer fällt, sich selbst zu verorten. 

Bester Film in der Sonderkategorie »Berg-Expeditionen«
„Cold“
Regie: Anson Fogel (USA)
Dieser mit einer Handkamera ausschließlich im Inneren eines winzigen Zelts fotografierte Film zeigt die Realität des winterlichen Bergsteigens von einer ganz und gar nicht verlockenden Seite: Während des tagelangen Aufenthalts dreier Bergsteiger auf annähernd 8000 Meter Höhe und bei Temperaturen unter minus 50 Grad Celsius fügen sich Gesichter und Dialogfetzen zu einem absurden Mikrodrama aus Verzweiflung und Apathie. 

Otto-Guggenbichler-Nachwuchspreis
„The Mountain between us (Der Berg zwischen uns)“
Regie: Maria Fortiz-Morse (USA)
Zwangsheirat und Verharren in vermeintlichen Sachzwängen – oder Mut zur Ausbildung und Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit wie zur Hoffnung auf die Liebe: Dank seiner so genauen wie empathischen Erzählweise verdichtet Maria Fortiz-Morses' kurzer Film ein gesellschaftliches Problem – die Auswirkung der Armut auf die Entwicklung und Entfaltung individueller Anlagen – auf die unterschiedlichen Lebenswege dreier Mädchen aus Nepal. 

Besondere Erwähnung der Jury - Preis für den besonderen Film
„Berriro Igo Nauzu“
Regie: Carlos Rodriguez (Spanien)
Carlos Rodriguez' außerordentlich poetisch und zugleich mit subtiler Ironie stilisierter Film bringt das nach den bisher bekannten Regeln der Dramaturgie unmögliche Kunststück fertig, den Zuschauer in einer einzigen Szene durch die 150jährige Geschichte einer Bauernfamilie im Baskenland zu führen.

Lobende Erwähnung - Film von besonderem Wert
„Verticalmente démodé“
Regie: Davide Carrari (Italien)
Die Jury möchte den Film „Verticalmente démodé“, entstanden unter der Regie von Davide Carrari, mit besonderem Lob erwähnen. Er verfolgt das Durchsteigen einer anspruchsvollen Wand auf höchst originelle und ausdrucksstarke Weise und zeigt dabei stilistisch und formal stets Bescheidenheit und Eleganz. Neben herausragenden Bildern zeigt der Film die Geschichte eines Mannes und seiner Leidenschaft auf zugleich sehr persönliche und überzeugende Weise.