Pressemappe - PK01 Preisträger        20/10/2012

10. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee vom 13. bis 21. Oktober 2012

Schöne Bilder, kräftige Botschaften – aber kein Seelenbalsam

Viele außergewöhnliche Filme versprach der Direktor des Bergfilm-Festivals, Michael Pause, bei der Eröffnung des Festivals. Und er hielt Wort. Vom Postkartenidyll und von in den Bergen aktiven, sich selbst darstellenden Superathleten scheinen jedoch eine ganze Reihe von Filmern genug zu haben, wie ein Blick in die Kinos und auf die Liste der Preisträger zeigt.

Es ist keine heile Welt, trotzdem sind die Bilder schön. Die Helden haben Wunden, ihnen gelingt längst nicht alles, doch das Publikum bewundert sie. Und ein reizender Bartgeier schafft es, in nur sieben Minuten den absurden Umgang der Menschheit mit der Natur auf den Punkt zu bringen.

Das Programm des 10. Bergfilm-Festivals war gespickt mit Beiträgen, die das, was die Bergwelt so faszinierend macht – seien es wunderschöne Landschaftsbilder oder sportliche Herausforderungen – zwar aufgreifen, sie aber gleichzeitig kräftig durchleuchten. Schattenseiten drängen sich auf, auch wenn man eigentlich im Moment gar keine Lust hat, sich damit zu belasten. Doch sie sind der Preis, den Mensch und Natur für das zum Teil aufwendig inszenierte Erlebnis Berg in ganz unterschiedlicher Weise zu zahlen haben – auch wenn nicht jede Landschaft, nicht jeder Alpinist und nicht jeder, der in den Bergen lebt, „zur Kasse“ gebeten wird. Schuld daran sind alle und niemand, gleichermaßen. Doch Verantwortung dafür trägt jeder einzelne.

An dieser Erkenntnis kommt keiner vorbei, der August Pflugfelders Dokumentation „Schnee“ sieht, die mit dem Großen Preis der Stadt Tegernsee ausgezeichnet wurde. Der Versuch, die Natur zu ändern, indem man Schnee mit beängstigendem Aufwand herstellt und immer neue Abfahrtsmöglichkeiten erschließt, verändert zwangsläufig das Leben der auf den Verkauf des Produkts „Skispaß“ angewiesenen Menschen. „Ein toll gemachter Film mit schönen Bildern. Aber Seelenbalsam ist das nicht. Das ist eine starke, politische Botschaft“, fasst Juror Dr. Rainer Stephan zusammen. „Von einem Bergfilm-Festival, das in einer Region stattfindet, in der genau dieses Thema ein zentrales Problem ist, muss ein solches Signal ausgehen. Das sehen wir als Jury als unsere Pflicht an.“

Tiefe Betroffenheit hinterlässt auch der Film, der den „Preis des Deutschen Alpenvereins“ erhalten hat: Die bulgarische Regisseurin Ema Konstantinowa dokumentiert in „Kota 42“ die Geschichte  Ivans, eines jungen Kletterers, der am Montblanc von einem Felssturz verschüttet und schwerst verletzt wurde: Eine außergewöhniche Dokumentation, die ohne Kommentar, ohne Interviews auskommt, denn die Bilder der beteiligten Menschen sprechen für sich. Es ist aber auch die Geschichte eines Helden, den wir nur bewundern können: Als Ivan nach langer Zeit, für immer an den Rollstuhl gefesselt, das Krankenhaus verlässt, wagt er es, seine Träume weiterzuleben. Und so findet er den Weg zurück die Berge und ins Leben. „Ein ungewöhnliches Schicksal und ein starker Film. Und ein Thema, das sehr schnell aktuell werden kann, wie wir im Alpenverein leider viel zu oft miterleben müssen“, sagt Andrea Händel, Pressesprecherin des Deutschen Alpenvereins. „Wir haben damit einen würdigen Preisträger zum Jubiläum.“

Nicht vergessen werden darf noch ein weiterer Preisträger:  der „Gypaetus Helveticus“, ein reizender Bartgeier aus der Schweiz. In nur sieben Minuten bringt Marcell Barellis Zeichentrickfilm die Verteufelung, die Ausrottung und schließlich die Wiedereingliederung des Bartgeiers in der Schweiz nicht nur witzig, sondern auch höchst sachgerecht auf den Punkt.