PT10 Eröffnung        18/10/2012

10. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee vom 13. bis 21. Oktober 2012

Messner und Habeler, „Raumschiff Enterprise“ und eine tolle Zwischenbilanz

Die offizielle Eröffnung war erst am Mittwoch, trotzdem lässt sich bereits nach diesem Abend eine Zwischenbilanz ziehen. Und die ist „einfach großartig“, wie der Direktor des Tegernseer Bergfilm-Festivals, Michael Pause (BR), vor der traumhaften Kulisse der herbstlich gefärbten Tegernseer Berge versichert.

Viel Publikum bereits bei Sonderveranstaltungen zum Jubiläum
„Wir sind überglücklich über diesen großen Zuspruch, schon beim Rahmenprogramm der Jubiläumsveranstaltung“, freut sich Pause. Denn begonnen hat das 10. Bergfilm-Festival anlässlich des Jubiläums bereits am vergangenen Samstag. Was so nicht zu erwarten war: Seitdem waren nahezu alle Veranstaltungen fast ausverkauft. Unter dem Motto „Best of Tegernsee“ begeisterten die Siegerfilme der vergangenen Jahre, ein tief berührendes Orgelkonzert fand in der vollbesetzten Tegernseer Pfarrkirche zu beeindruckenden, am Walliser Weißhorn gedrehten Filmaufnahmen statt und im Tegernseer Museum schmunzelten bereits zahlreiche Gäste über die Zeichnungen der Bergkarikaturisten Erbse, Georg Sojer und Sebastian Schrank.

Achttausender, viel Prominenz und ein „Oktokopter“ zur Eröffnung
Nachdem über 5000 Festivalkarten bereits im Vorfeld verkauft wurden, war es zu erwarten, dass am Eröffnungsabend nur wenige Stühle frei blieben. Thematisch war der Bogen in den fünf Kinosälen weit gespannt: Im Barocksaal, bei der offiziellen Eröffnung des Filmprogramms, schilderte Peter Habeler, der mit Reinhold Messner als erster ohne künstlichen Sauerstoff auf dem Mount Everest stand, seine Bergerlebnisse mit Messner. Andreas Nickel, der Regisseur des Kinofilms „Messner“ berichtete, dass ihn der Extrembergsteiger „als Persönlichkeit“ fasziniert habe: „Ich legte ihm einfach ein Drehbuch vor und er hat gleich gesagt, ja er sei dabei“, so Nickel. Entstanden ist eine Dokumentation, bei der weniger die großartigen bergsteigerischen Leistungen Messners im Mittelpunkt stehen, als vielmehr seine facettenreiche Persönlichkeit. Der Kinofilm „Messner“ ist am Samstag, 20 Uhr, noch einmal in der Sporthalle zu sehen.

Stimmungen, Begegnungen und traumhafte Verhältnisse für einen Filmer
Zeitgleich trafen sich weitere bekannte Größen der Achttausender-Szene, wie Anderl Mannhardt, Manfred Sturm und Hans Engl, im Ludwig-Thoma-Saal. Auf dem Programm standen – unschwer zu erraten – Expeditionsfilme von gestern und heute. Es war ein Zeitensprung ins Jahr 1975, als Bergsteiger aus Deutschland und Österreich zu einer Expedition an den Kangchendzönga aufbrachen: Mit der Kamera dabei war der heute wohl namhafteste deutsche Bergfilmer, Gerhard Baur, der damals als junger Filmer die Chance, bei einer Expedition mit der Kamera mit dabei zu sein, einfach am Schopf packte – obwohl finanziell dabei nichts zu gewinnen war.  „Es waren damals traumhafte Verhältnisse für einen Filmer“, schilderte Baur den Zuschauern im Saal. „120 Kilometer nur Anmarsch in einem langsamen Tempo, da hat man Zeit, die richtigen Einstellungen zu finden und dabei die Stimmung einzufangen. Das war das Wesentliche für mich“, erinnerte sich Baur. Dass ihm das auf unvergleichliche Weise gelungen ist, erkannte man bereits vor 30 Jahren. Der Film wurde vielfach ausgezeichnet, denn solche Bilder hatte die Welt noch nie von einer Expedition zu sehen bekommen. Und interessanter Weise sind sie auch heute rar geworden, denn wenn Speedbegehungen im Minimalstil auf dem Programm stehen, bleibt für stimmungsvolle Bilder wenig Zeit. „Damals ging ein Traum für mich in Erfüllung“ so Baur. „Obwohl die Ausrüstung mit fast 20 Kilogramm noch sehr schwer war: Ich bin damals über dem Boden geschwebt, das ist mir seit dem nicht mehr passiert.“

Einfach schweben
Um zu schweben müssen die Kameraleute heutzutage weder träumen noch selbst abheben. Das zeigte sich – zurück in der Gegenwart – am Mittwoch im Medius-Center: „Raumschiff Enterprise“ konnte zwar nicht wie geplant über die Zuschauer gleiten, da ein Rotor gebrochen war; eindrucksvoll war der Auftritt des futuristisch anmutenden „Oktokopters“ dennoch. Genauso wie die halsbrecherischen Bilder, die mit dieser Kamera in  dem brandneuen Film „Bike-Bergsteigen - Mit Mountainbikes zum Gipfelglück“ aufgezeichnet wurden. Abgesehen von der Technik, mit der diese ungewöhnliche Dokumentation unter der Regie von Bergauf-Bergab-Mitarbeiter Michael Düchs  gedreht wurden, war der Diskussionsbedarf beim Publikum nach dieser in mehrerer Hinsicht grenzwertigen Mountainbike-Tour in den Dolomiten groß. Da, wie bei fast jeder Vorstellung, Protagonisten und Filmer anwesend waren, bot sich genügend Gelegenheit, die Sache ausgiebig zu diskutieren und das zu erfahren, was im Film nicht zu sehen ist. „Das freut das Publikum und schon allein damit, dass wir hier Raum für Begegnungen schaffen, haben wir eines der großen Ziele des Festivals erreicht“, freut sich der künstlerische und technische Direktor des Festivals Sigi Menzel. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich Filmer, Bergsteiger und Zuschauer im Filmsaal begegnen, sich im Festival-Forum plötzlich gegenüberstehen oder ob sie gemeinsam auf einer Parkbank in der milden Herbstsonne sitzen und verträumt den glitzernden Wellen des Tegernsees nachschauen.

Informationen, Programm und Karten Bergfilm-Festival: Bergfilm-Festival Tegernsee, Tel. 08022-18 01 62, www.bergfilm-festival-tegernsee.de, www.tegernsee.de und www.muenchenticket.de
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