Pressemappe 22-10-11 - "Herzlichkeit im Reich der Extreme"

9. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee
Herzlichkeit im Reich der Extreme

Lautstark eine Zugabe forderten beim 9. Internationalen Bergfilm-Festival in Tegernsee zwar nur die jüngsten Zuschauer im Kinderkino. Doch begeistert vom hochkarätigen Filmprogramm, von berührenden Momenten, netten Begegnungen und der herzlichen Atmosphäre waren die Besucher des Festivals durchweg.

Jakob ist kein berühmter Extremkletterer, er hat nichts Großes vollbracht und er lebt auch nicht im fernen Himalaya. Er spielt keine große Rolle und der Film, in dem er mitwirkt, hat keinen Preis gewonnen. Trotzdem hat der sechsjährige Bub, der auf einem gewöhnlichen Bergbauernhof in Bayern lebt, jetzt 230 Freunde mehr – eben alle Zuschauer, die ihn in dem Film „Die Sennerin und ihr Sohn“ gesehen haben. In den meist vollbesetzten Filmsälen sind es oft gerade die „Jakobs“, die unerwartet und herzerfrischend auf der Leinwand auftauchen, die nie im Rampenlicht stehen und es trotzdem schaffen, dem Inszenierten, Spekta-kulären die Schau zu stehlen. Kurz: Sie sind das Salz in der Suppe und sorgen dafür, dass ein Festival, in dem es oft um Extreme geht, menschlich bleibt. „Und darauf legen wir besonderen Wert“, betont der Bürgermeister der Stadt Tegernsee, Peter Janssen. Inzwischen ist die Vorführtechnik perfekt, der Ablauf reibungslos, das Programm international, vielfältig und hochkarätig. „Doch was mich besonders freut ist, dass es für alle Beteiligten nach wie vor ein Festival zum Wohlfühlen ist. Die Herzlichkeit ist durch die Perfektion nicht verloren gegangen.“

Dafür sorgt nicht zuletzt der Charme der kleinen Stadt Tegernsee. Zuschauer und Filmer, Extrembergsteiger und Wanderer, Schauspieler und Helfer laufen sich über den Weg, man kennt sich längst und hat Berührungsängste abgelegt. Jeder scheint sich zu freuen über das  Wiedersehen im Jahresrhythmus, wenn die Blätter an den Bäumen in warmen Goldtönen leuchten, die Sonnenstrahlen auf dem See funkeln und die Berge im ersten Weiß bereits kühl auf Distanz gehen. „Einen schöneren Ort für ein Bergfilm-Festival kann man sich eigentlich kaum vorstellen“, meint eine Regisseurin. Dass ihr Film nicht ausgezeichnet wurde, stört sie nicht. „Dazu ist die Konkurrenz zu stark. Ich bin schon froh, dass unser Film hier überhaupt ins Programm gekommen ist.“

Froh sind auch die Zuschauer, die bei den Höhepunkten des Festivals – allem voran dem in zwei Sälen ausverkauften DAV-Abend und der Abschlussfeier – Karten bekommen haben. Dass Karten rar werden können, hat sich im Publikum herumgesprochen, so ist es kein Wunder, dass 3700 Karten bereits im Vorverkauf gesichert wurden. Am schnellsten vergeben waren jedoch die Plätze im Kinderkino, das vom zaghaften Versuch zum echten Renner geworden ist: Insgesamt kamen fast 500 kleine Bergfilm-Fans zu den Kindervorstellungen. Und dass das Publikum begeistert mit den Füßen auf den Boden trommelt und lautstark eine Zugabe fordert, das kommt selbst in Tegernsee nur im Kinderkino vor.