Pressemappe 22-10-11 - "Ein Vertikaler Thriller und Wunder der Natur"

9. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee
Ein vertikaler Thriller und Wunder der Natur

Dass die Jury hart mit den Bergfilmen ins Gericht geht, versteht sich von selbst. In Tegernsee ist jedoch auch das Publikum äußerst kritisch: Tief beeindruckt waren Jury und Publikum von mehreren Filmen, den Sprung auf den „Preisgipfel“ schafften schließlich die Naturdokumentation „Voyage au bout de l’hiver“ (Großer Preis der Stadt Tegernsee) und der „Kletter -Thriller“ „Alone On the Wall“ (Preis des Deutschen Alpenvereins für den besten Alpinfilm).

„Am Anfang haben wir gedacht, 76 Minuten seien lang für einen Naturfilm“, schildert die Journalistin Françoise Guais (Frankreich) die Überlegungen der Jury. „Auch wenn die Bilder wunderbar sind, könnte es allmählich langweilig werden.“ Das wurde es aber nicht bei „Voyage au bout de l’hiver“ – bei der Reise ans Ende des Winters. Denn die französischen Dokumentarfilmer Anne und Erik Lapied zeigen in ihrer Dokumentation nicht nur, wie sich die Natur im Gran-Paradiso-Nationalpark langsam für den Winter rüstet. Sie zeigen auch, wie geduldig und demütig man sein muss, um die Natur so  filmen zu können wie sie. „Wenn der Schnee endlich kommt, wenn Lawinen das kleine Dorf isolieren, sind wir nicht mehr Zuschauer. Wir befinden uns inmitten der Geschichte.“
Mitten drinnen im Geschehen – und in der Wand – ist man auch von Anfang an bei „Alone on the Wall“, dem besten Alpinfilm des Festivals: Keine Effekt heischenden Bilder, dafür aber zum Beispiel dieses eine nervenzerreißende  Aufrichten des Kletterers auf einem handtuchbreiten Felsband in der mauerglatten Wand des Half Dome. Ein Film, der die Jury überzeugte und den Nerv des Tegernseer Publikums getroffen hat.
Was in Tegernsee hingegen keine Gnade findet, sind Filme aus dem „Sonntagabend-Programm mancher Fernsehsender“, wie sich ein Zuschauer ausdrückte. Ein Punkt, der dem Direktor des Festivals, Michael Pause, durchaus bewusst ist: „Es hat sich wieder gezeigt, dass beispielsweise ein Krimi, der in der Bergwelt spielt, kaum angenommen wird. Wir werden deshalb Filme, bei denen der Berg quasi künstlich im Raum steht, künftig eher nicht ins Programm nehmen.“ Quantitativ sei man in Tegernsee am Limit, sowohl was die Zahl der Zuschauer angehe, als auch bei der Menge der Filme. „Es täte dem Festival auch nicht gut, den Rahmen noch weiter auszudehnen“, so Pause.
Qualitativ sei der Weg hingegen trotz hohem Niveau nach oben weiter offen. „Wir werden unsere Stärken, nämlich die Präsentation authentischer, hochwertiger Dokumentationen, weiter ausbauen. Das ist es, was die Menschen hier sehen wollen“, verspricht Pause. Auch wenn dieser Aufstieg ein mühsamer sein werde. Das Festival habe zwar inzwischen weltweit einen guten Ruf, „von allein“ kommen die guten Filme trotzdem nicht an den Tegernsee. „Wir werden uns noch intensiver aktiv in aller Welt auf die Suche nach den besten Produktionen machen und neue Kontakte knüpfen.“ Denn eines ist klar: Zum 10. Jubiläum im kommenden Jahr erwartet das anspruchsvolle Tegernseer Publikum ein Programm der Sonderklasse – „und das wird es auch geben“, verspricht der Festival-Direktor.