Bergfilm-Festival - Pressetext 05-Eröffnungsabend

PT05 Pressetext Eröffnungsabend      20/10/11


9. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee, vom 19. - 23. Oktober 2011

Atemlose Stille, tosender Applaus und offene Worte

Knapp 800 Zuschauer ließen sich bereits am Eröffnungsabend des
9. Internationalen Bergfilm-Festivals in fünf Tegernseer Kinosälen auf das Abenteuer Bergfilm ein. Sie ließen sich beeindrucken von unge-wöhnlichen Perspektiven und vielschichtigen Abenteuern und genossen die Reise in meist unerreichbare Bergwelten.

Jeder im vollbesetzten Barocksaal hält den Atem an. Dabei passiert auf der Leinwand wenig. Das Einzige, was zu hören ist, ist die immer schwächer werdende Stimme einer im eisigen Sturm gefangenen Bergsteigerin. Und die Worte eines Bergretters, der verzweifelt versucht, den Handykontakt aufrecht – und die Alpinistin damit am Leben – zu erhalten.  Der Abspann von „A Sleepless Night“ ist längst fertig, noch immer herrscht tief betroffene Stille im Barocksaal, bevor der Applaus einsetzt und lauter wird. „Eine andere Perspektive, die man als Bergsteiger gerne ausblendet und die deshalb umso erschütternder ist, wenn man damit konfrontiert wird“, so Festival-Direktor Michael Pause vom Bayerischen Rundfunk. Es sind einfache Bilder, die tiefe Eindrücke hinterlassen und die einen noch lange beschäftigen. „Genau diese Erfahrungen machen die Faszination eines Festivals aus. Wenn man bereit ist, sich auf dieses Spiel mit dem Unerwarteten und manchmal auch mit schwerer Filmkost einzulassen“, so Pause.
Starken Tobak haben auch die Zuschauer im Ludwig-Thoma-Saal zu verarbeiten, doch die Herangehensweise von Regisseurs Danny Boyle ist eine ganz andere: „127 Stunden“ – übrigens die erste Hollywood-Produktion, die in Tegernsee gezeigt wurde – ist ein dramatischer Kinofilm, der beim äußerst kritischen Publikum zwar für unablässige Spannung sorgte, aber nicht unbedingt jeden überzeugt hat. „Einige meinten, dass das große Abenteuer dieses jungen Mannes, der seinen Arm opfern musste, um mit dem Leben davonzukommen, von zuviel klassischem Hollywood-Geplänkel überdeckt wurde“, ist dem künstlerisch-technischen Leiter des Festivals, Sigi Menzel (BR) aufgefallen, der sich am Eröffnungsabend vor allem über die hervorragende Vorführtechnik in den Festivalsälen freute. „Das ist höchstes Niveau, die Zuschauer bekommen brillante Bilder zu sehen, nicht zuletzt dank des großartigen Einsatzes der Mitglieder des Tegernseer Videoclubs.“
Was die Zuschauer neben der hohen Qualität und den eindrucksvollen Bildern immer wieder begeistert, ist die Anwesenheit von Protagonisten, Regisseuren und Darstellern. So zum Beispiel im Medius-Saal, wo nach atemberaubenden Flugbildern „Mensch und Fels im Ausnahmezustand“ zu sehen sind. Warum man sein Leben so gänzlich dem Klettern verschreiben kann, will der Moderator nach dem Film von Extremkletterer Herbert Ranggetiner wissen. „Weil Klettern das Einzige ist, was ich wirklich gut kann“, sagt der mit entwaffnender Offenheit, bevor sich der Extremkletterer zu seiner eigenen Überraschung von einem kurzen Film namens „Sarajevo Challenge“ begeistern lässt. „Der Film ist nur acht Minuten lang, aber dermaßen vielschichtig und mit einer so intensiven Botschaft“, sagt Ranggetiner fasziniert, nachdem ein mit unzähligen Rollen bestückter Mensch („Buggy Rolling“) die vom Krieg fast zerstörte Bobbahn in Sarajevo hinuntergerast ist – so zumindest die vordergründige Geschichte. Nein, im Programm ausgewählt hätte er so einen Streifen wohl nicht. Umso besser, bei einem Bergfilm-Festival auf Außergewöhnliches wie dieses quasi gestoßen zu werden…
Sich auf Neues einlassen und ungewöhnliche Perspektiven entdecken können die Zuschauer in Tegernsee noch bis Sonntag. Die international besetzte Jury hat nun die schwere Aufgabe, bis zur Schlussfeier am Samstag die Besten aus den 96 Bergfilmen auszuwählen. Zu sehen sind die Siegerfilme dann in der Matinee am Sonntag ab 9 Uhr. Das Programm ist am Samstag ab 22 Uhr im Internet nachzulesen.

Infos, Programm, Karten: Im Internet unter www.bergfilm-festival-tegernsee.de, www.muenchenticket.de oder im Festival-Forum.