Retrospektive Hans Memmingen - Presseinfo 12.Okt. 2011

PT Bergfilm-Festival - Retrospektive      10/2011

9. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee vom 19. bis 23. Oktober 2011

„Den die Götter lieben, dem geben sie ein Kajak“

„Ich habe meine eigene Lebensphilosophie“, bekannte Hans Memminger einmal in einem Interview. „Wer eine Reise unternimmt, macht sich schlau. Wenn ich auf der Lebensreise bin, dann möchte ich mich schlaumachen. Auch wenn ich nicht sehr weit über den Tellerrand schauen kann.“ Doch der gläubige Christ, der sich sehr für fernöstliche Religionen interessierte, schaute weit über den Tellerrand hinaus  –  und er öffnete auch den Daheimgebliebenen als packender Erzähler, brillanter Dokumentarfilmer und großer Pionier des Kajaksports neue Horizonte. 

Er bezwang die spannendsten Wildwasserpassagen der Welt, kämpfte sich über sturmgepeitschte Packeisfelder und fand dabei immer noch die Zeit, den Blick – und die Kamera – abzuwenden von der Dramatik seines Sports hin zur unglaublichen Schönheit der Natur der abgeschiedenen Canyons. Und zu den Menschen, die in diesen Regionen zuhause sind.

Hans Memminger, der 1936 in Bad Tölz geboren wurde und dort aufwuchs,  erbte seine Liebe zum Wasser wohl von seinem Großvater, der Flößer war. Fasziniert beobachtete er Kanuten, sammelte selbst erste Erfahrungen und machte unterwegs mit einer geliehenen Filmkamera Aufnahmen, die seine Freunde begeisterten. Er studierte Feinmechanik und Optik und war als Kamerakonstrukteur tätig.

Als Kajakfahrer war er seiner Zeit weit voraus. Elegant und mit traumhafter Sicherheit befuhr er die extremsten Passagen. Der „Tschochtan“, der schreckliche Flussgeist, der unachtsame Kajakfahrer in die Tiefe reißt und vor dem Hans Memminger immer mit einem Augenzwinkern warnte, hatte gegen ihn nie eine Chance.  In Amerika fuhr er bei Hochwasser durch den Grand Canyon, er paddelte 300 Kilometer von Grönland nach Kanada und durchquerte als erster Mensch mit Sohn und Freunden die Nord-West-Passage mit dem Kajak. In Bhutan und Nepal eröffnete er Raftingstrecken, um dort einem sanften Tourismus den Weg zu bereiten. Stets brachte er großartige Dokumentarfilme mit nach Hause, die das Publikum begeisterten und die mehrfach ausgezeichnet wurden. Vielleicht gerade weil ihm, auch in seinen Büchern, hintergründiger Humor so viel näher lag als Dramatisierung und Sensationshascherei.

„Ja, mein Leben war schön“, sagte Hans Memminger, kurz bevor er im August 2009 in Feldkirchen starb. „Es war spannend, naturverbunden und von schönem Erfolg gekrönt – den die Götter lieben, dem geben sie ein Kajak“.

Infos: Die Retrospektive findet am Donnerstag, 20.10., 20 Uhr, im Barocksaal statt.
Festivalprogramm und Karten im Internet, www.bergfilm-festival-tegernsee.de, www.tegernsee.de oder www.muenchenticket.de.