Eröffnung 19/10/2017                                                    PT01_Eröffnung

Bergfilm Tegernsee, 15. Internationales Festival, 18. – 22. Oktober 2017

Begeistert unterwegs auf schmalen Graten

Eine Drohne sucht das Weite, fliegt über die Tegernseer Berge hinaus in die Welt, um die schönsten Bilder einzusammeln – mit diesem neuen Trailer ist das 15. Bergfilm-Festival eröffnet. Im Schlepptau: nicht nur die ungewöhnlichsten Filme, sondern auch die Menschen, denen es gelungen ist, mit Fantasie und Kreativität mutig Neues, „Unter-die-Haut-Gehendes“ zu erschaffen – und das Publikum zu begeistern.  

 Es ist Mittwochabend, vor den Sälen drängen sich die ersten Gäste und die Jury hat bereits einen Filmmarathon hinter sich. Draußen die letzten angenehm milden Sonnenstrahlen, drinnen Eiseskälte – zumindest auf der Leinwand. Die Entscheidung ist fast gefallen. Doch auf einige Filme wollen Helmut Scheben (Schweiz), Julia Brunner (Österreich), Mojca Volkar Trobevšek (Slowenien), Benedikt Kuby (Deutschland) und Martin Kaufmann (Italien) noch einmal einen Blick werfen. „Der mords Sauhaufen“ darf also nochmal mit seinem „zkloan Zelt“ (so der Titel des Films) durchs All zu den steilsten Rinnen fliegen. Völlig abgefahren diese tollkühnen Snowboarder. Die Jury erhöht die Punktzahl. Nach gefühlten hundert Stunden im abgedunkelten Raum sieht man manches mit anderen Augen. Doch ob es am Ende zu einem Preis reichen wird? So viele neue Ideen, tiefgehende Erfahrungen und faszinierende Bilder wie in diesem Jahr sieht selbst das Tegernseer Festival-Publikum nur selten.

 Gäste aus aller Welt im Publikum

„Berg und Tal kommen nicht zusammen, aber die Menschen schon“, meint Festival-Direktor Michael Pause, mit einem Blick aufs Publikum: Da ist eine Frau aus Katar, die, begleitet von einem irischen Filmemacher, mit ihrer Familie den Kilimandjaro bestiegen hat. Direkt aus der Wüste gekommen, kann sie sich gar nicht satt sehen, an der überschwänglichen Farbenpracht eines strahlenden Herbsttages am Tegernsee. Ganz in der Nähe sitzt ein „Halbgrieche“, der in Amerika lebt und einen Film über Skitouren am Olymp mit in die bayerischen Berge gebracht hat. Die längste Anreise hat Filmemacherin Carla Braun-Elwert hinter sich; sie war im letzten Jahr Jurorin in Tegernsee und hat nun eine preisverdächtige, sehr persönliche Dokumentation im Wettbewerb: Auf den Spuren ihres früh verstorbenen Vaters hat sie mit Tourenskis die Südalpen Neuseelands durchquert. Etwas zu spät kommt der Filmemacher aus Shanghai, quasi ein Heimspiel haben hingegen Fuzzy Garhammer und Markus Wasmeier, die am Donnerstag bei der Retrospektive zu Besuch sein werden.

 

Botschaft wichtiger als Leistung

Was die Flimemacher und -macherinnen zu zeigen haben, beeindruckt wie immer. Doch die Helden sind anders geworden – zumindest am Mittwoch im Barocksaal. Botschaft scheint eindeutig wichtiger als Leistung: Stephan Siegrist, einer der besten Schweizer Bergsteiger, macht im Kaschmir eine Erstbegehung und stößt dabei auf Spuren. Einheimische erinnern sich an einen Besteigungsversuch, ein Drama. Alt und neu laufen in der Filmgeschichte parallel. Die sportliche Leistung gerät immer mehr in den Hintergrund, umso spannender wird der schmale Grat zwischen Glück und Unglück. Beide Male hätte es glücklich enden können, so wie bei den Schweizern. Hat es aber nicht. Da vor vielen Jahren kurz vor dem Gipfel ein Felsbrocken ausgebrochen ist, der einem der englischen Bergsteiger ein Bein fast zerquetschte. Eigentlich ein Todesurteil, doch seine Freunde schaffen die unglaubliche Rettung.

Manchmal bekommt man eben die zweite Chance. Die hat auch der ehemalige Basejumper Maximilian Werndl genutzt: „Last Exit“, der zweite Film an diesem Abend, entpuppt sich als kurzer, äußerst intensiver Film. Worte, die man so wohl noch nie gehört hat: „Wie kann man verlernen, zu fühlen?“ Diese Frage stellt sich der Extremsportler, als er vom Tod eines Freundes hört, und dabei nichts empfinden kann. Für ihn ist es ein Warnsignal, er fühlt sich „gefangen in einer Sackgasse“, auf der Suche nach immer noch intensiveren – und somit riskanteren – Erlebnissen. Maximilian Werndl hat professionelle Hilfe geholt, seinen Coach bezeichnet er im Gespräch mit Michael Pause als seinen Lebensretter. Es ist keine Heldengeschichte, gezeigt wird mit einfachen, unter die Haut gehenden Mitteln, was hinter dem Extremen steht, was das Umfeld, was vor allem Mutter und Lebensgefährtin, deshalb mitmachen müssen. Eine Sucht, wie eine tödliche Krankheit, wenn man keinen Ausweg findet.

 

Abschied nehmen von Heiner Geißler

Filme mit Tiefgang, die mit Sicherheit auch Heiner Geißler beeindruckt hätten, den im September verstorbenen Schirmherrn des Festivals. „Sein Geist ist immer noch unter uns“, betonte Altbürgermeister Peter Janssen, Mitbegründer des Bergfilm-Festivals und Weggefährte Geißlers. „Kraft seiner Persönlichkeit hat er das Bergfilmfestival entscheidend geprägt.“ Es war immer einer der Höhepunkte, wenn Heiner Geißler, meistens bei der Schlussfeier das Wort ergriffen hat. „Worte, die unvergessen bleiben, über die es sich lohnt, immer aufs Neue nachzudenken – und die künftig fehlen werden.“

 

Lust bekommen? Sofort Karten sichern!

Die besten Filme werden beim Bergfilm-Festival wiederholt und viel Neues gibt es außerdem zu entdecken  – deshalb am besten sofort ins Programm schauen und gleich Karten sichern! Entweder im Internet unter www.bergflim-tegernsee.de, direkt im Festival-Forum Gipfeltreff im Rathaus oder bei der Tourist-Information Tegernsee.

Kontakt:
Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee
Rathausplatz 1
83684 Tegernsee
Tel. 08022/1801-37 oder 53
bergfilm@tegernsee.de
www.bergfilm-tegernsee.de