PT03 Interview Benedikt Kuby                                                     Pressemappe    11/10/2017

Bergfilm Tegernsee, 15. Internationales Festival vom 18. – 22. Oktober 2017

Die Kraft, das Publikum zu verzaubern

2014 gewann Benedikt Kuby mit seiner außergewöhnlichen Dokumentation „Der Bauer bleibst Du“ den Großen Preis der Stadt Tegernsee – und noch mehrere weitere Auszeichnungen. Eine Eigenproduktion Kubys, die in kein Format passt und die schon vom Tempo her nicht den aktuellen Anforderungen zu entsprechen scheint. In diesem Jahr ist Benedikt Kuby wieder in Tegernsee zu Gast, dieses Mal als Mitglied der international besetzten Jury des Bergfilm-Festivals. Wie sich sein Erfolg auf seine Arbeit ausgewirkt hat und was aus dem Hof von damals geworden ist, schildert er im folgenden Interview.

Neun Festivalpreise hat Ihr Film „Der Bauer bleibst Du“ insgesamt erhalten. Das heißt auch, neun Begründungen der jeweiligen Jury. Gab es Begründungen, die sie echt überrascht haben oder waren sie immer ähnlich?

Da gab es in einer Jurybegründung folgenden Satz: „Da wurde ein Dokumentarfilm ausgezeichnet, der die Kraft hat, den Zuschauer zu verzaubern und zu verändern.“ Das hat mich echt überrascht. Ich hatte ja überhaupt nicht mit einer ‘Wirkung’ gerechnet, mir Vorstellungen dazu gemacht bei der Herstellung des Films. Viele Menschen haben inzwischen den Film gesehen und ich bekomme sehr, sehr viele Reaktionen: Mails, Briefe, Postkarten, Anrufe. Und tatsächlich, es war noch nie eine negative dabei. Ganz im Gegenteil. Das ist schon ein toller Lohn für eine Arbeit, bei der ich mir immer wieder nicht sicher war, ob das letztlich nur ein großer Flop wird. Gottseidank war sich meine Frau sicher, dass der Film was werden wird. Sie hat mich bei der Stange gehalten. 

Sie sagten 2014, dass dieser Filme in kein TV-Format passt. Ist er inzwischen, nach den großen Festival-Erfolgen, trotzdem schon einmal im Fernsehen gezeigt worden?

Ja, ich erinnere mich. Ich sprach von den Vorstellungen von Fernsehmachern. Inzwischen ist der Film schon zwei Mal vom BR gesendet worden – sie haben ihn, nachdem er hier auf dem Festival gezeigt wurde, angekauft. Und zwar – wie das leider bei den Sendern üblich ist – für’n Appel und ‘n Ei. Er lief auf dem Sendeplatz für den „großen Dokumentarfilm“ und hat dort die höchste Zuschauerzahl gehabt, die es bisher auf diesem Sendeplatz gab. Das ist, nachdem ich in an vielen Stellen mit dem Hinweis: „Kein Mensch wird sich dafür interessieren“ abgeschmettert wurde, schon eine Genugtuung. Und ist hoffentlich Anlass für Redaktionen, sich auch auf Projekte einzulassen, die nicht dem Mainstream folgen.

 

Sie haben bei Ihren Produktionen ja schon immer großen Wert auf Eigenständigkeit gelegt. Hat Sie ihr Erfolg dazu motiviert, noch eigenständiger und unabhängiger zu filmen, sich vielleicht auch an noch gewagtere Projekte zu trauen – oder sind Sie mit der Zeit eher vorsichtiger geworden? Kosten und Risiko sind ja doch beträchtlich, oder? 

Da sprechen Sie einen sehr wunden Punkt an. Ich habe mich eigentlich schon entschieden aufzugeben, das Filmemachen zu lassen. Ich habe ein Projekt in der Tasche – ja, ein gewagteres Projekt – könnte sofort zu drehen beginnen, alles steht: die Geschichte, die ProtagonistInnen, die Drehorte. Aber ich bekomme das Geld nicht zusammen. So wie ich den Film „Der Bauer bleibst Du“ hergestellt habe, als ein Einmannteam, könnte ich dieses Projekt nicht stemmen. Das könnte ich nicht mehr aus der Familienkasse finanzieren.

Nun sitzen Sie selbst in der Jury. Auf was werden Sie besonderen Wert legen, wenn Sie die Filme unter die Lupe nehmen?

Ich will mich dieser Aufgabe stellen, ohne irgendwelche Vorgaben. Will versuchen, in jede Projektion gleich neugierig und offen für Unerwartetes hinein zu gehen. Wobei ich etwas Sorge habe, wie das bei 85 Filmen funktionieren kann. Und, da ich absolut nicht schwindelfrei bin, fürchte ich mich etwas vor den Bildern, wo Bergsteiger und Bergsteigerinnen über dem Nichts hängen.

Und zuletzt: Wissen Sie eigentlich, was aus Johannes und dem Hof aus „Der Bauer bleibst Du“ inzwischen geworden ist?

Sie haben die ganze Zeit über den Hof in Zusammenwirken mit dem Denkmalschutz so hergerichtet – absolut super! – dass darin gewohnt werden kann, auch wenn man nicht so ein Typ ist, wie der Bauer Heinrich Wanner. Und das tun Johannes und Bettina seit etwa einem Jahr.

 

Info: Die DVD „Der Bauer bist Du“ ist während des Festivals im „Gipfeltreff“ im Rathaus erhältlich.

Kontakt:
Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee
Rathausplatz 1
83684 Tegernsee
Tel. 08022-1801-37 oder -53
bergfilm@tegernsee.de
www.bergfilm-tegernsee.de